Internationaler Tag der Lebensmittelverschwendung

Lebensmittel werden angebaut, geerntet, verarbeitet, gekühlt, transportiert und verkauft. Trotzdem landet ein erheblicher Teil davon am Ende im Müll. Der 29. September macht jedes Jahr international auf dieses Problem aufmerksam. Der offizielle Aktionstag der Vereinten Nationen heißt „International Day of Awareness of Food Loss and Waste“ und soll zeigen, warum Lebensmittelverluste und Lebensmittelverschwendung nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch des Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutzes sind.

Gerade im Alltag lässt sich dabei einiges verändern. Oft braucht es keine großen Maßnahmen. Ein besser geplanter Einkauf, die richtige Lagerung oder ein kreativer Umgang mit Resten können bereits verhindern, dass noch genießbare Lebensmittel unnötig entsorgt werden.

Themenüberblick:

  • Was ist der Internationale Tag der Lebensmittelverschwendung?
  • Wie viele Lebensmittel werden in Deutschland weggeworfen?
  • Lebensmittelverschwendung ist ein weltweites Problem
  • Warum Lebensmittelverschwendung ein Umweltproblem ist
  • Warum werfen wir Lebensmittel weg?
  • Mindesthaltbarkeitsdatum bedeutet nicht automatisch wegwerfen
  • MHD und Verbrauchsdatum sind nicht dasselbe
  • So kannst du Lebensmittelverschwendung vermeiden
  • Reste verwerten statt wegwerfen
  • Lebensmittel haltbar machen
  • Lebensmittel teilen und Foodsharing nutzen
  • Bereits beim Einkauf Lebensmittel retten
  • Deutschland will Lebensmittelverschwendung reduzieren
  • Lebensmittel wieder mehr wertschätzen

Was ist der Internationale Tag der Lebensmittelverschwendung?

Der Internationale Tag gegen Lebensmittelverluste und Lebensmittelverschwendung findet jedes Jahr am 29. September statt. Die Vereinten Nationen haben den Aktionstag 2019 beschlossen, erstmals wurde er 2020 begangen.

International wird dabei bewusst zwischen Lebensmittelverlusten und Lebensmittelverschwendung unterschieden. Lebensmittelverluste können bereits während der Ernte, Lagerung, Verarbeitung oder beim Transport entstehen. Lebensmittelverschwendung betrifft dagegen vor allem Lebensmittel, die im Handel, in der Gastronomie oder bei uns zu Hause nicht gegessen und schließlich entsorgt werden.

Der Aktionstag soll deshalb nicht einfach nur dazu auffordern, den Teller leer zu essen. Vielmehr geht es darum, Lebensmittel entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette stärker wertzuschätzen und vermeidbare Verluste zu reduzieren.


Wie viele Lebensmittel werden in Deutschland weggeworfen?

In Deutschland entstehen jedes Jahr mehr als zehn Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle. Ein besonders großer Anteil davon fällt in privaten Haushalten an. Nach aktuellen Berechnungen entstehen rund 58 Prozent der Lebensmittelabfälle zu Hause.

Dabei ist wichtig zu unterscheiden: Nicht alles, was statistisch als Lebensmittelabfall erfasst wird, wäre tatsächlich noch essbar. Dazu zählen beispielsweise auch Knochen, Schalen, Kaffeesatz oder andere nicht vermeidbare Bestandteile von Lebensmitteln.

Trotzdem landet weiterhin eine große Menge an eigentlich noch genießbaren Lebensmitteln im Müll. Besonders häufig betroffen sind Obst und Gemüse, aber auch Brot und Backwaren, Milchprodukte sowie gekochte Speisen und andere Reste.

Gerade hier liegt ein Bereich, den wir im Alltag direkt beeinflussen können.


Lebensmittelverschwendung ist ein weltweites Problem

Lebensmittelverschwendung ist keineswegs nur ein deutsches Problem. Weltweit werden enorme Mengen an Lebensmitteln nicht gegessen.

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wurden allein im Jahr 2022 weltweit rund 1,05 Milliarden Tonnen Lebensmittel auf Ebene von privaten Haushalten, Gastronomie und Handel verschwendet. Das entspricht ungefähr einem Fünftel der Lebensmittel, die Verbrauchern zur Verfügung standen.

Hinzu kommen Verluste, die bereits vorher entstehen – etwa bei Ernte, Transport oder Lagerung.

Gleichzeitig haben viele Menschen weltweit keinen sicheren Zugang zu ausreichend Nahrung. Lebensmittelverschwendung ist deshalb auch eine Frage davon, wie effizient wir mit vorhandenen Ressourcen umgehen.


Warum Lebensmittelverschwendung ein Umweltproblem ist

Ein weggeworfenes Lebensmittel ist nicht nur ein Stück Brot, ein Apfel oder ein Becher Joghurt im Mülleimer. Hinter jedem Produkt stecken Ressourcen.

Für den Anbau werden Flächen und Wasser benötigt. Landwirtschaft braucht Energie, Maschinen und häufig Dünger. Danach folgen je nach Lebensmittel Verarbeitung, Verpackung, Transport, Kühlung und Lagerung.

Wird das Lebensmittel am Ende nicht gegessen, wurden viele dieser Ressourcen unnötig eingesetzt.

Lebensmittelverluste und Lebensmittelverschwendung sind deshalb auch für den Klimaschutz relevant. Nach Angaben der Vereinten Nationen hängen schätzungsweise 8 bis 10 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen mit verloren gegangenen oder weggeworfenen Lebensmitteln zusammen.

Weniger Lebensmittelverschwendung bedeutet deshalb gleichzeitig weniger unnötigen Ressourcenverbrauch.


Warum werfen wir Lebensmittel weg?

Die Gründe sind im Alltag häufig unspektakulär. Oft wird einfach mehr gekauft, als tatsächlich benötigt wird.

Sonderangebote und Großpackungen verleiten schnell dazu, zusätzliche Lebensmittel mitzunehmen. Gleichzeitig fehlt manchmal der Überblick darüber, was bereits im Kühlschrank oder Vorratsschrank liegt. Werden ältere Produkte nach hinten geschoben, geraten sie schnell in Vergessenheit.

Auch falsche Lagerung spielt eine Rolle. Manche Obst- und Gemüsesorten halten deutlich länger, wenn sie richtig aufbewahrt werden. Andere gehören dagegen überhaupt nicht in den Kühlschrank.

Hinzu kommen zu große Portionen, spontane Änderungen beim Wochenplan oder Reste vom Vortag, die nicht rechtzeitig verwertet werden.

Ein weiterer Grund ist Unsicherheit beim Mindesthaltbarkeitsdatum.


Mindesthaltbarkeitsdatum bedeutet nicht automatisch wegwerfen

Das Mindesthaltbarkeitsdatum, kurz MHD, wird häufig als Wegwerfdatum verstanden. Genau das ist es aber nicht.

Mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum garantiert der Hersteller, dass ein ungeöffnetes und richtig gelagertes Produkt mindestens bis zu diesem Zeitpunkt seine vorgesehenen Eigenschaften wie Geschmack, Geruch oder Konsistenz behält.

Viele Lebensmittel können auch danach noch problemlos genießbar sein.

Statt sie automatisch zu entsorgen, kannst du das Lebensmittel überprüfen:

  • Verpackung ansehen
  • Produkt ansehen
  • daran riechen
  • bei geeigneten Lebensmitteln vorsichtig probieren

Natürlich sollte dabei immer der gesunde Menschenverstand zählen. Sieht ein Lebensmittel ungewöhnlich aus, riecht verdorben oder zeigt Schimmel, gehört es nicht mehr auf den Teller.


MHD und Verbrauchsdatum sind nicht dasselbe

Anders sieht es beim Verbrauchsdatum aus. Auf besonders leicht verderblichen Lebensmitteln steht beispielsweise:

„Zu verbrauchen bis …“

Das betrifft unter anderem bestimmte Fleisch- und Fischprodukte.

Nach Ablauf des Verbrauchsdatums sollten solche Lebensmittel nicht mehr gegessen werden. Gesundheitsschädliche Keime können vorhanden sein, ohne dass sie durch Geruch oder Aussehen erkennbar sind.

Deshalb ist es wichtig, Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum nicht miteinander zu verwechseln.


So kannst du Lebensmittelverschwendung vermeiden

Lebensmittel zu retten beginnt nicht erst dann, wenn etwas kurz vor dem Verderben steht. Schon beim Einkauf kannst du dafür sorgen, dass weniger im Müll landet.

Eine einfache Einkaufsliste hilft dabei, nur das zu kaufen, was tatsächlich gebraucht wird. Noch besser funktioniert das, wenn du vorher kurz Kühlschrank, Tiefkühlfach und Vorratsschrank kontrollierst.

Auch ein grober Essensplan für die nächsten Tage kann helfen. Er muss nicht bis ins kleinste Detail feststehen. Oft reicht schon zu wissen, an welchen Tagen zu Hause gekocht wird und welche Lebensmittel zuerst verbraucht werden sollten.

Wer Lebensmittel richtig lagert, verlängert ebenfalls deren Haltbarkeit. Angebrochene Packungen sollten möglichst gut verschlossen werden. Ältere Lebensmittel kannst du im Kühlschrank nach vorne stellen, damit sie nicht vergessen werden.


Reste verwerten statt wegwerfen

Übrig gebliebene Lebensmittel sind oft die Grundlage für eine neue Mahlzeit.

Gekochte Kartoffeln können am nächsten Tag zu Bratkartoffeln werden, trockenes Brot eignet sich beispielsweise für Croutons oder Semmelbrösel und sehr reife Bananen lassen sich noch für Kuchen, Pancakes oder Smoothies verwenden.

Gemüsereste können in Suppen, Eintöpfen, Currys oder Aufläufen verarbeitet werden.

Gerade bei der Resteverwertung geht es nicht darum, komplizierte Rezepte zu entwickeln. Häufig reicht ein Blick auf das, was ohnehin vorhanden ist.

Passend dazu findest du hier auch weitere Ideen zum Thema Was tun mit Resten?


Lebensmittel haltbar machen

Nicht alles muss sofort gegessen werden. Viele Lebensmittel lassen sich durch Einfrieren, Einkochen, Trocknen oder Fermentieren länger haltbar machen.

Besonders praktisch ist das, wenn Obst und Gemüse saisonal in größeren Mengen vorhanden sind oder bei einem Einkauf doch einmal zu viel im Korb gelandet ist.

Auch gekochte Gerichte können häufig portionsweise eingefroren werden. Damit entsteht gleichzeitig ein kleiner Vorrat für Tage, an denen wenig Zeit zum Kochen bleibt.

Mehr Möglichkeiten findest du in unserem Beitrag Lebensmittel haltbar machen.


Lebensmittel teilen und Foodsharing nutzen

Wenn du weißt, dass du bestimmte Lebensmittel nicht mehr rechtzeitig verbrauchen kannst, müssen sie deshalb noch lange nicht im Müll landen.

Vielleicht kann jemand aus der Familie, dem Freundeskreis oder der Nachbarschaft etwas davon gebrauchen.

Eine weitere Möglichkeit ist Foodsharing. Über Initiativen und sogenannte Fairteiler werden noch genießbare Lebensmittel weitergegeben, statt sie zu entsorgen.

Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel Was ist Foodsharing?


Bereits beim Einkauf Lebensmittel retten

Ein großer Teil der Lebensmittelverschwendung lässt sich verhindern, bevor die Lebensmittel überhaupt zu Hause angekommen sind.

Überlege deshalb vor dem Einkauf, welche Mengen du tatsächlich brauchst. Besonders bei frischen Produkten ist es häufig sinnvoller, etwas weniger einzukaufen und bei Bedarf später nachzukaufen.

Auch optisch nicht perfektes Obst und Gemüse ist in vielen Fällen genauso gut wie makellose Ware. Eine krumme Karotte oder ein Apfel mit kleiner Schramme schmecken deshalb nicht schlechter.

Weitere Tipps findest du im Artikel Richtig einkaufen gehen.


Deutschland will Lebensmittelverschwendung reduzieren

Die Verringerung von Lebensmittelverschwendung ist auch Teil der internationalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen.

Im Sustainable Development Goal 12.3 wurde das Ziel festgelegt, die weltweite Lebensmittelverschwendung pro Kopf im Handel und bei Verbrauchern bis 2030 zu halbieren und Lebensmittelverluste entlang der Produktions- und Lieferketten zu reduzieren.

Auch Deutschland verfolgt dieses Ziel.

Rund um den 29. September finden deshalb regelmäßig Aktionen gegen Lebensmittelverschwendung statt. Dazu gehört unter anderem die bundesweite Aktionswoche „Zu gut für die Tonne!“, bei der Initiativen, Unternehmen, Vereine und Verbraucher zeigen, wie Lebensmittel besser genutzt werden können.


Lebensmittel wertschätzen statt verschwenden

Der 29. September erinnert jedes Jahr daran, Lebensmittel wieder bewusster wertzuschätzen und nicht als selbstverständliches Wegwerfprodukt zu betrachten. Denn während weltweit noch immer viele Menschen nicht ausreichend zu essen haben, landen gleichzeitig enorme Mengen genießbarer Lebensmittel im Müll. Natürlich lässt sich Hunger nicht allein dadurch lösen, dass wir zu Hause weniger wegwerfen. Doch ein verantwortungsvoller Umgang mit Lebensmitteln hilft dabei, Ressourcen wie Wasser, Energie und landwirtschaftliche Fläche sinnvoller zu nutzen und Verschwendung zu reduzieren.

Schon kleine Veränderungen im Alltag können dabei einen Unterschied machen: Einkäufe besser planen, Lebensmittel richtig lagern, Reste verwerten und Produkte nicht vorschnell wegen eines abgelaufenen Mindesthaltbarkeitsdatums entsorgen.

Mach mit und wirf einen Blick in deinen Kühlschrank: Was sollte als Nächstes verbraucht werden? Vielleicht lässt sich daraus heute noch eine Mahlzeit zaubern. Weitere praktische Ideen rund um nachhaltigen Konsum, Resteverwertung und Lebensmittelrettung findest du hier auf unserem Blog.


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