Klimaschutz oder Klimaanpassung: Warum Europa beides gleichzeitig braucht

Hitzewellen, ausgetrocknete Böden, Waldbrände und überlastete Kanalisationen zeigen immer deutlicher: Der Klimawandel ist in Europa längst angekommen. Trotzdem fließt der größte Teil der europäischen Klimaausgaben weiterhin in Maßnahmen, die den Ausstoß von Treibhausgasen senken sollen.

Zwischen 2021 und 2025 entfielen rund 72 Prozent der klimabezogenen EU-Ausgaben auf die Emissionsminderung. Nur etwa 18 Prozent wurden für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels eingesetzt. Weitere neun Prozent kamen Maßnahmen zugute, die beiden Bereichen dienen. Klimaschutz bleibt unverzichtbar. Gleichzeitig müssen Städte, Gemeinden und Regionen besser auf die Veränderungen vorbereitet werden, die bereits heute spürbar sind. Hitzeaktionspläne, Trinkbrunnen, Stadtbäume, begrünte Dächer und entsiegelte Flächen können dabei helfen, Menschen, Natur und Infrastruktur zu schützen.

Themenübersicht:

  • Was unterscheidet Klimaschutz und Klimaanpassung?
  • Warum Europa bei der Klimaanpassung aufholen muss
  • Weshalb bisher mehr Geld in die Emissionsminderung fließt
  • Wie Hitzeaktionspläne Menschen schützen können
  • Warum Trinkbrunnen und kühle Rückzugsorte wichtiger werden
  • Wie Stadtbäume und Grünflächen für Abkühlung sorgen
  • Was Dach- und Fassadenbegrünung bewirken
  • Wie das Schwammstadt-Prinzip gegen Hitze und Starkregen hilft
  • Welche Städte bereits konkrete Lösungen umsetzen
  • Warum Klimaschutz und Klimaanpassung zusammengehören
„Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt morgen aussieht.“ – Marie von Ebner-Eschenbach

Was unterscheidet Klimaschutz und Klimaanpassung?

Klimaschutz und Klimaanpassung werden häufig gemeinsam genannt, verfolgen aber unterschiedliche Ziele.

Beim Klimaschutz geht es darum, die Ursachen des Klimawandels zu begrenzen. Dazu müssen weniger CO2 und andere Treibhausgase freigesetzt werden. Der Ausbau erneuerbarer Energien, energetische Gebäudesanierungen, klimafreundlicher Verkehr, der sparsame Umgang mit Energie sowie der Schutz von Wäldern, Mooren und Böden gehören deshalb zu den wichtigsten Klimaschutzmaßnahmen.

Klimaanpassung setzt dagegen bei den Folgen an. Sie soll Menschen, Natur, Gebäude und Infrastruktur besser vor Hitze, Trockenheit, Starkregen, Hochwasser oder Wasserknappheit schützen. Dazu gehören beispielsweise Hitzeaktionspläne, schattige Plätze, öffentliche Trinkbrunnen, widerstandsfähigere Verkehrswege, begrünte Gebäude und ein besserer Umgang mit Regenwasser.

Klimaanpassung verhindert die Erderwärmung nicht. Sie kann aber verhindern, dass ihre Folgen noch größere Schäden verursachen.


Warum Europa bei der Klimaanpassung aufholen muss

Europa gehört zu den Regionen, die sich besonders schnell erwärmen. In vielen Ländern nehmen heiße Tage, Tropennächte, lange Trockenperioden und Waldbrandgefahren zu. Gleichzeitig steigt in zahlreichen Regionen das Risiko für Starkregen und Überschwemmungen.

Viele europäische Städte sind auf diese Bedingungen nicht ausreichend vorbereitet. Dicht bebaute Innenstadtviertel, dunkler Asphalt, große Parkplätze und breite Straßen speichern tagsüber viel Wärme. Nachts geben sie diese nur langsam wieder ab. Dadurch entstehen sogenannte städtische Hitzeinseln.

In stark versiegelten Vierteln kann es deutlich wärmer sein als am Stadtrand oder im ländlichen Umland. Wohnungen kühlen nachts kaum noch ab, Straßen und Plätze bleiben aufgeheizt und der menschliche Körper bekommt weniger Gelegenheit zur Erholung.

Auch die Infrastruktur gerät zunehmend unter Druck. Straßenbeläge können sich bei hohen Temperaturen verformen, Bahnschienen reagieren empfindlich auf extreme Hitze und Strom- sowie Wassernetze werden stärker belastet. Gleichzeitig nehmen ausgetrocknete Böden starken Regen schlechter auf. Das Wasser fließt schneller ab und kann Kanalisationen, Unterführungen oder Keller überlasten.

Klimaanpassung ist deshalb keine freiwillige Zusatzaufgabe mehr. Sie wird zu einem wichtigen Bestandteil der kommunalen Vorsorge.


Warum bisher mehr Geld in den Klimaschutz fließt

Für viele Klimaschutzmaßnahmen existieren seit Jahren etablierte politische Instrumente und Förderprogramme. Windkraftanlagen, Solaranlagen oder Gebäudesanierungen lassen sich vergleichsweise klar planen. Ihr Nutzen kann häufig anhand von erzeugtem Strom, eingesparter Energie oder vermiedenen Emissionen gemessen werden.

Bei der Klimaanpassung ist der Erfolg oft weniger sichtbar. Ein schattiger Platz erzeugt keinen Strom. Ein Hitzeaktionsplan verkauft kein Produkt. Ein entsiegelter Schulhof bringt keine direkten Einnahmen.

Der Nutzen zeigt sich vor allem darin, dass Schäden vermieden werden. Weniger Menschen erleiden gesundheitliche Probleme, Straßen bleiben passierbar, Keller werden seltener überflutet und Grünflächen überstehen längere Trockenperioden besser.

Viele Anpassungsmaßnahmen müssen zudem von Städten und Gemeinden umgesetzt werden. Gerade kleinere Kommunen verfügen jedoch häufig nur über begrenzte finanzielle Mittel und wenig Fachpersonal. Kurzfristige Förderprogramme reichen deshalb nicht aus. Klimaanpassung braucht langfristige Finanzierung, klare Zuständigkeiten und ausreichend Personal für Planung, Umsetzung und Pflege.


Hitzeaktionspläne können Leben retten

Lange Hitzeperioden sind besonders für ältere Menschen, kleine Kinder, chronisch Kranke, Menschen ohne Wohnung und Personen gefährlich, die körperlich im Freien arbeiten. Auch alleinlebende Menschen können während einer Hitzewelle schnell übersehen werden.

Ein kommunaler Hitzeaktionsplan legt fest, was bei hohen Temperaturen geschehen soll. Gesundheitsämter, Pflegeeinrichtungen, Schulen, Kitas, Rettungsdienste und Behörden stimmen ihre Maßnahmen dabei aufeinander ab.

Dazu können frühzeitige Warnungen, angepasste Tagesabläufe in Pflegeheimen und Schulen, verschattete Aufenthaltsflächen oder Informationen über Trinkbrunnen und kühle Räume gehören. Auch längere Öffnungszeiten öffentlicher Gebäude oder gezielte Hilfsangebote für ältere und alleinlebende Menschen können Teil eines solchen Plans sein.

Entscheidend ist, dass Zuständigkeiten bereits vor der nächsten Hitzewelle geklärt werden. Ein Hitzeaktionsplan hilft wenig, wenn Räume, Personal und Kommunikationswege erst im Notfall organisiert werden müssen.


Öffentliche Trinkbrunnen helfen an heißen Tagen

Trinkbrunnen gehören zu den einfachsten und sichtbarsten Maßnahmen der Klimaanpassung. Sie stellen kostenloses Trinkwasser bereit und helfen besonders Menschen, die viel zu Fuß, mit dem Fahrrad oder im öffentlichen Raum unterwegs sind.

Gleichzeitig können öffentliche Wasserspender dazu beitragen, Einwegflaschen zu vermeiden. Wer eine eigene Flasche auffüllen kann, muss unterwegs weniger abgefülltes Wasser kaufen.

Besonders sinnvoll sind Trinkbrunnen an Bahnhöfen, Haltestellen, Marktplätzen, Spielplätzen, in Parks und entlang stark genutzter Fuß- und Radwege. Damit sie tatsächlich genutzt werden, müssen sie gut sichtbar, barrierearm erreichbar und regelmäßig gewartet werden. Auch die Wasserqualität muss zuverlässig kontrolliert werden.

Ein einzelner Brunnen macht eine Innenstadt allerdings noch nicht hitzefest. Besonders wirksam ist eine Kombination aus Trinkwasser, Schatten, Sitzgelegenheiten und begrünten Aufenthaltsflächen.


Kühle Rückzugsorte werden wichtiger

Nicht jede Wohnung bleibt während einer Hitzewelle ausreichend kühl. Vor allem schlecht gedämmte Dachgeschosswohnungen können sich über mehrere Tage stark aufheizen.

Öffentliche Klimarückzugsorte bieten Menschen die Möglichkeit, sich zeitweise in kühleren Räumen aufzuhalten. Dafür können Bibliotheken, Bürgerhäuser, Schulen, Museen, Kirchen oder andere öffentlich zugängliche Gebäude genutzt werden.

Solche Orte sollten möglichst kostenlos erreichbar sein und über Sitzmöglichkeiten sowie Trinkwasser verfügen. Eine öffentliche Karte kann dabei helfen, schnell einen geeigneten Rückzugsort in der Nähe zu finden.

Barcelona arbeitet bereits mit einem Netzwerk solcher Klimarückzugsorte. Auch deutsche Städte könnten öffentliche Gebäude während starker Hitze gezielter als kühle Aufenthaltsräume nutzen.


Stadtbäume wirken wie natürliche Klimaanlagen

Stadtbäume gehören zu den wirksamsten natürlichen Maßnahmen gegen Hitze. Ihre Kronen spenden Schatten und verhindern, dass sich Straßen, Fassaden und Plätze stark aufheizen. Gleichzeitig geben sie über ihre Blätter Wasser an die Umgebung ab. Durch diese Verdunstung entsteht zusätzliche Kühlung.

Darüber hinaus speichern Bäume CO2, filtern Staub und Schadstoffe aus der Luft, dämpfen Lärm und bieten Lebensraum für Tiere. Sie können Regenwasser aufnehmen und verbessern die Aufenthaltsqualität in dicht bebauten Vierteln.

Neue Bäume zu pflanzen reicht jedoch nicht aus. In vielen Innenstädten fehlt ausreichend Platz für die Wurzeln. Der Boden ist verdichtet, Regenwasser fließt direkt in die Kanalisation und junge Bäume leiden unter Trockenstress.

Damit Stadtbäume langfristig überleben, benötigen sie große Baumscheiben, lockere und wasserspeichernde Böden, Zugang zu Regenwasser sowie regelmäßige Pflege. Auch die Auswahl geeigneter und möglichst vielfältiger Baumarten spielt eine wichtige Rolle.

Ein Stadtbaum ist deshalb nicht nur Dekoration. Er ist ein wichtiger Teil der städtischen Infrastruktur und muss entsprechend geplant und gepflegt werden.


Dachbegrünung schützt Gebäude und Kanalisation

Viele Dächer sind bisher weitgehend ungenutzte Flächen. Werden sie begrünt, können sie Regenwasser speichern, Gebäude vor starker Aufheizung schützen und Lebensräume für Insekten schaffen.

Ein begrüntes Dach nimmt einen Teil des Niederschlags auf und gibt das Wasser verzögert wieder ab. Dadurch wird die Kanalisation bei Starkregen entlastet. Im Sommer erwärmen sich begrünte Dachflächen außerdem weniger stark als ungeschützte Flachdächer. Die Verdunstung der Pflanzen sorgt für zusätzliche Kühlung.

Dachbegrünung lässt sich häufig mit Photovoltaik kombinieren. Die Vegetation kann die Umgebungstemperatur der Solarmodule senken, während die Module einen Teil der Pflanzen verschatten.

Hamburg fördert Dachbegrünung bereits seit vielen Jahren. Rotterdam verfolgt zusätzlich das Konzept multifunktionaler Dächer. Dort werden begrünte Flächen, Regenwasserspeicher, Solaranlagen und nutzbare Aufenthaltsbereiche miteinander kombiniert.

Nicht jedes Dach ist automatisch geeignet. Statik, Brandschutz, Pflege und Wasserversorgung müssen vor der Umsetzung geprüft werden.


Fassadenbegrünung bringt mehr Grün in dichte Viertel

In vielen Innenstädten fehlt Platz für neue Parks oder große Baumstandorte. Begrünte Fassaden können deshalb eine sinnvolle Ergänzung sein.

Kletterpflanzen verschatten Hauswände und verringern deren Aufheizung. Gleichzeitig schaffen sie kleine Lebensräume für Insekten und Vögel. Besonders einfach sind bodengebundene Pflanzen, die direkt im Erdreich wachsen.

Technische Fassadensysteme mit Pflanzgefäßen sind ebenfalls möglich, benötigen jedoch meist mehr Pflege, Bewässerung und Wartung.

Fassadenbegrünung ersetzt keine Straßenbäume oder Parks. Sie kann aber dazu beitragen, dicht bebaute Viertel grüner und angenehmer zu gestalten.


Entsiegelung hilft gegen Hitze und Überflutungen

Asphalt und Beton speichern Wärme und verhindern, dass Regenwasser im Boden versickert. Bei Starkregen fließt das Wasser deshalb schnell in die Kanalisation. Ist diese überlastet, können Straßen, Unterführungen und Keller überflutet werden.

Entsiegelung bedeutet, wasserundurchlässige Flächen zurückzubauen oder durch durchlässige Materialien zu ersetzen. Aus Parkplätzen, Innenhöfen, Verkehrsinseln und Schulhöfen können so Flächen entstehen, die Wasser aufnehmen und gleichzeitig für mehr Grün sorgen.

Wasserdurchlässiges Pflaster, Grünstreifen, Versickerungsmulden oder entsiegelte Innenhöfe helfen dabei, Niederschläge vor Ort zurückzuhalten. Ein Teil des gespeicherten Wassers verdunstet später wieder und sorgt für zusätzliche Kühlung.

Gerade in dicht bebauten Innenstädten kann jede entsiegelte Fläche einen Unterschied machen.


Die Schwammstadt hält Regenwasser zurück

Das Prinzip der Schwammstadt geht über einzelne entsiegelte Flächen hinaus. Regenwasser soll möglichst dort gespeichert werden, wo es fällt, statt schnell über die Kanalisation abzufließen.

Begrünte Dächer, Versickerungsmulden, große Baumstandorte, Teiche, unterirdische Speicher und renaturierte Bäche wirken dabei zusammen. Das Wasser wird aufgenommen, zwischengespeichert und kann in trockenen Perioden zur Bewässerung von Bäumen und Grünanlagen genutzt werden.

Das Schwammstadt-Prinzip hilft dadurch gleichzeitig gegen Starkregen, Hitze und Wasserknappheit. Es entlastet die Kanalisation, versorgt Pflanzen mit Wasser und verbessert das Stadtklima.

Besonders wirksam wird das Konzept, wenn Regenwasser nicht als Abfall betrachtet wird, der möglichst schnell verschwinden soll, sondern als wertvolle Ressource.


So können Innenstädte kühler werden

Eine klimaangepasste Innenstadt entsteht nicht durch eine einzelne Maßnahme. Entscheidend ist die Verbindung aus Schatten, Grün, Wasser, Entsiegelung und weniger stark aufgeheizten Verkehrsflächen.

Breite Straßen und große Parkplätze nehmen viel Raum ein und speichern Wärme. Werden einzelne Flächen umgestaltet, können dort Bäume, Sitzplätze, Trinkbrunnen und begrünte Aufenthaltsbereiche entstehen.

Auch helle Straßenbeläge, verschattete Haltestellen und öffentlich zugängliche kühle Räume können die Belastung an heißen Tagen verringern. Wasserflächen oder fein versprühter Wassernebel können zusätzliche Abkühlung schaffen, sollten aber sparsam und mit Blick auf den Wasserverbrauch eingesetzt werden.

Wien hat bereits mehrere Straßen und Plätze nach solchen Prinzipien umgebaut. In der Zieglergasse wurden unter anderem neue Bäume, Trinkbrunnen und begrünte Aufenthaltsbereiche geschaffen.

Verkehrsberuhigung kann dabei Klimaschutz und Klimaanpassung gleichzeitig unterstützen. Weniger Autos bedeuten weniger Emissionen und schaffen Platz für Grünflächen, breite Gehwege und schattige Aufenthaltsorte.


Paris macht Schulhöfe zu kühlen Oasen

Viele Schulhöfe bestehen überwiegend aus Asphalt und können sich im Sommer stark aufheizen. Paris gestaltet deshalb zahlreiche Schul- und Kitahöfe zu sogenannten Oasis-Höfen um.

Dabei wird Asphalt teilweise entfernt und durch Pflanzen, wasserdurchlässige Böden, schattige Bereiche und natürliche Materialien ersetzt. Die neu gestalteten Flächen sollen Kinder während heißer Tage schützen.

Einige der Schulhöfe werden außerhalb der Unterrichtszeiten auch für die Nachbarschaft geöffnet. Dadurch entstehen zusätzliche grüne Rückzugsorte in dicht bebauten Vierteln.

Das Beispiel zeigt, dass Klimaanpassung nicht immer große Neubauprojekte erfordert. Auch bestehende Flächen können schrittweise umgestaltet und mehrfach genutzt werden.


Klimaanpassung ist auch eine soziale Frage

Die Folgen des Klimawandels sind innerhalb einer Stadt ungleich verteilt. In wohlhabenderen Vierteln gibt es häufig mehr Bäume, größere Wohnungen, private Gärten und besser gedämmte Gebäude. Dicht bebaute Stadtteile mit wenig Grün sind dagegen oft stärker von Hitze betroffen.

Auch die Möglichkeiten, sich zu schützen, sind unterschiedlich. Nicht jeder kann eine Klimaanlage kaufen, ins Freibad fahren oder während einer Hitzewelle in eine kühlere Region reisen.

Besonders gefährdet sind ältere und alleinlebende Menschen, kleine Kinder, chronisch Kranke, Menschen ohne Wohnung sowie Personen in schlecht gedämmten Wohnungen. Auch Menschen mit körperlich anstrengenden Berufen oder geringem Einkommen sind häufig stärker belastet.

Neue Bäume, Trinkbrunnen und kühle Rückzugsorte sollten deshalb zuerst dort entstehen, wo die Hitzebelastung besonders hoch und die Möglichkeiten zur Selbsthilfe gering sind.


Klimaanlagen sind nicht die einzige Lösung

Klimaanlagen können Räume schnell abkühlen. Sie benötigen jedoch Strom und geben zusätzliche Wärme an die Umgebung ab. Werden immer mehr Gebäude aktiv gekühlt, steigt an heißen Tagen der Energieverbrauch.

Sinnvoller ist es, Gebäude zunächst mit passiven Maßnahmen vor Hitze zu schützen. Verschattete Fenster, gute Dämmung, nächtliches Lüften, begrünte Dächer und helle Oberflächen können verhindern, dass sich Räume überhaupt so stark aufheizen.

In Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen oder anderen sensiblen Gebäuden kann eine aktive Kühlung trotzdem unverzichtbar sein. Sie sollte dort möglichst effizient betrieben und mit erneuerbarem Strom versorgt werden.

Klimaanlagen können Teil der Lösung sein, sollten aber nicht die einzige Antwort auf steigende Temperaturen bleiben.


Viele Maßnahmen helfen doppelt

Klimaschutz und Klimaanpassung müssen nicht getrennt voneinander gedacht werden. Viele Maßnahmen erfüllen beide Aufgaben gleichzeitig.

Stadtbäume spenden Schatten und speichern CO2. Gründächer halten Regen zurück und können den Energiebedarf eines Gebäudes verringern. Verkehrsberuhigte Straßen schaffen Platz für Grün und senken gleichzeitig Emissionen.

Auch energetische Gebäudesanierungen, die Wiedervernässung von Mooren, der Schutz von Wäldern, Solar-Gründächer und die Renaturierung von Flüssen können sowohl dem Klimaschutz als auch der Anpassung dienen.

Gerade solche Lösungen sollten stärker gefördert werden. Sie schützen vor Klimafolgen und tragen gleichzeitig dazu bei, die weitere Erwärmung zu begrenzen.


Was Städte und Gemeinden jetzt brauchen

Viele Kommunen wissen bereits, welche Maßnahmen notwendig wären. Häufig fehlen jedoch Geld, Fachpersonal und langfristige Planungssicherheit.

Erfolgreiche Klimaanpassung benötigt verlässliche Förderprogramme, kommunale Anpassungskonzepte und eine enge Zusammenarbeit zwischen Bau-, Gesundheits- und Umweltbehörden. Auch die Bevölkerung sollte frühzeitig in die Planung einbezogen werden.

Besonders wichtig sind langfristige Pflegebudgets. Es reicht nicht, einen Baum zu pflanzen oder einen Trinkbrunnen einzuweihen. Bäume müssen bewässert, Grünflächen gepflegt und technische Anlagen gewartet werden.

Klimaanpassung darf deshalb nicht nur aus einzelnen Vorzeigeprojekten bestehen. Sie muss dauerhaft in Stadtplanung, Gesundheitsvorsorge, Verkehrsplanung und Gebäudebau verankert werden.


Klimaschutz und Klimaanpassung gehören zusammen

Dass der größte Teil der europäischen Klimaausgaben in die Emissionsminderung fließt, ist grundsätzlich nachvollziehbar. Ohne konsequenten Klimaschutz würde sich die Erde weiter erwärmen und Anpassungsmaßnahmen könnten irgendwann nicht mehr ausreichen.

Doch selbst eine schnelle Verringerung der Emissionen kann bereits eingetretene Veränderungen nicht sofort rückgängig machen. Städte müssen sich deshalb schon heute auf mehr Hitze, Trockenheit und Starkregen vorbereiten.

Klimaschutz entscheidet darüber, wie stark sich die Erde künftig erwärmt. Klimaanpassung entscheidet darüber, wie gut Menschen, Natur und Infrastruktur mit den Folgen umgehen können.

Europa braucht deshalb nicht weniger Klimaschutz, sondern deutlich mehr Klimaanpassung. Stadtbäume, Trinkbrunnen, begrünte Dächer, entsiegelte Flächen und lebenswerte Innenstädte können Menschen schützen und gleichzeitig die Lebensqualität verbessern.

Wer rechtzeitig vorsorgt, verhindert nicht nur hohe Schäden. Klimaanpassung kann Städte bereits heute grüner, gesünder und lebenswerter machen.


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