Wie nachhaltig ist Bambus

Bambus wächst außergewöhnlich schnell, treibt nach der Ernte wieder aus und kann viele Jahre auf derselben Fläche genutzt werden. Auf den ersten Blick scheint er deshalb wie der perfekte nachhaltige Rohstoff. Ganz so einfach ist es aber nicht. Zwischen einem naturbelassenen Bambuskorb, einem verleimten Schneidebrett, einem T-Shirt aus Bambusviskose und einem Kunststoffbecher mit Bambusfasern liegen ökologisch große Unterschiede. Ob Bambus wirklich nachhaltig ist, entscheidet sich deshalb nicht allein auf der Plantage, sondern über den gesamten Weg vom Anbau bis zum fertigen Produkt.

Grüne Bambushalme und Bambusblätter

Wie nachhaltig ist Bambus wirklich?

Die kurze Antwort lautet: Bambus kann ein sehr interessanter nachhaltiger Rohstoff sein – ist es aber nicht automatisch.

Die Pflanze besitzt einige Eigenschaften, die ökologisch günstig sein können. Bambus wächst schnell, bildet nach der Ernte neue Halme und kann bei geeigneter Bewirtschaftung viele Jahre genutzt werden, ohne dass die gesamte Pflanze immer wieder neu gesetzt werden muss.

Diese Vorteile sagen jedoch noch wenig über ein fertiges Produkt aus. Auch bei Bambus müssen unter anderem folgende Faktoren betrachtet werden:

  • Anbau und Flächennutzung
  • Düngung und Pflanzenschutz
  • Verarbeitung
  • Energieverbrauch
  • Klebstoffe und Beschichtungen
  • Transport
  • Lebensdauer
  • Reparierbarkeit
  • Recycling und Entsorgung

Das Wort „Bambus“ auf einer Verpackung ist deshalb noch kein Nachhaltigkeitssiegel.


Was ist Bambus?

Auch wenn große Bambuspflanzen wie Bäume aussehen können und ihr Material ähnlich wie Holz genutzt wird, gehört Bambus botanisch zu den Gräsern.

Es gibt zahlreiche Bambusarten. Manche bleiben relativ klein, andere bilden mehrere Meter hohe und stark verholzte Halme.

Unter der Erde bilden viele Bambusarten ein ausgedehntes Rhizomsystem. Aus diesem wachsen immer wieder neue Triebe. Genau diese Eigenschaft ist für die Nutzung als nachwachsender Rohstoff besonders interessant.

Hohe Bambushalme zeigen den grasartigen, verholzten Aufbau von Bambus

Wie schnell wächst Bambus?

Bambus gehört tatsächlich zu den besonders schnell wachsenden Pflanzen. Einige Arten können unter günstigen Bedingungen innerhalb kurzer Zeit mehrere Meter wachsen.

Das führt allerdings häufig zu einer missverständlichen Werbeaussage: Nur weil ein Bambushalm seine endgültige Höhe schon innerhalb weniger Monate erreichen kann, ist er zu diesem Zeitpunkt nicht automatisch als hochwertiger Werkstoff erntereif.

Bei vielen wirtschaftlich genutzten Bambusarten werden Halme erst nach ungefähr drei bis fünf Jahren geerntet, wenn sie ausreichend ausgereift und verholzt sind.

Im Vergleich zu zahlreichen Baumarten ist das noch immer sehr schnell. Ein Baum kann je nach Art und Verwendungszweck mehrere Jahrzehnte benötigen, bevor sein Holz genutzt wird.


Warum kann Bambus nachhaltig sein?

Bambus wächst nach der Ernte wieder nach

Bei einer gut bewirtschafteten Bambusfläche werden nicht sämtliche Pflanzen entfernt. Stattdessen können ausgewachsene Halme geerntet werden, während das unterirdische Rhizomsystem bestehen bleibt.

Aus diesem Wurzelsystem wachsen anschließend neue Halme.

Dadurch muss eine bestehende Bambusfläche nicht nach jeder Ernte vollständig neu angelegt werden. Gleichzeitig bleibt der Boden dauerhaft durchwurzelt.

Hohe Biomasseproduktion

Durch das schnelle Wachstum kann Bambus auf geeigneten Flächen vergleichsweise viel Biomasse produzieren. Das macht ihn für Werkstoffe, Bauprodukte und verschiedene langlebige Anwendungen interessant.

Bambus kann Böden stabilisieren

Das dichte Wurzel- und Rhizomgeflecht kann dazu beitragen, Böden zusammenzuhalten. Internationale Projekte nutzen Bambus deshalb unter anderem für Erosionsschutz und die Wiederherstellung degradierter Flächen.

Gerade auf erosionsgefährdeten Hängen kann eine dauerhaft durchwurzelte Vegetation helfen, Bodenverluste zu reduzieren.

Bambus kann Kohlenstoff speichern

Wie andere Pflanzen nimmt auch Bambus beim Wachstum CO2 auf und speichert Kohlenstoff in seiner Biomasse. Wird daraus ein langlebiges Produkt hergestellt, bleibt ein Teil dieses Kohlenstoffs während der Nutzungsdauer im Material gebunden.

Spektakuläre Aussagen wie „Bambus bindet fünfmal mehr CO2 als Bäume“ sollte man trotzdem mit Vorsicht behandeln. Solche Vergleiche hängen stark von Bambusart, Standort, Bewirtschaftung, Vergleichswald und Berechnungsmethode ab.

Entscheidend ist außerdem, was nach der Ernte mit dem Material passiert und wie lange das daraus hergestellte Produkt genutzt wird.

Bambuspflanzen mit dichtem grünen Blattwerk

Warum Bambus nicht automatisch umweltfreundlich ist

Ein schnell nachwachsender Rohstoff ist nicht automatisch ein nachhaltiger Rohstoff.

Auch Bambusplantagen können intensiv bewirtschaftet werden

Häufig liest man, Bambus benötige grundsätzlich weder Dünger noch Pflanzenschutzmittel. Das ist zu pauschal.

Viele Bambusarten können zwar vergleichsweise anspruchslos wachsen. Kommerzielle Plantagen können trotzdem gedüngt oder anderweitig intensiv bewirtschaftet werden.

Wie nachhaltig der Anbau ist, hängt deshalb von Bambusart, Standort und Bewirtschaftung ab.

Monokulturen bleiben Monokulturen

Eine große Bambusplantage darf nicht mit einem natürlichen Bambuswald oder einem artenreichen Ökosystem gleichgesetzt werden.

Werden natürliche Wälder oder andere wertvolle Lebensräume für Plantagen gerodet, ist der ökologische Nutzen fragwürdig. Auch eine sehr schnell nachwachsende Pflanze kann den Verlust eines komplexen Ökosystems nicht einfach ausgleichen.

Nachhaltiger ist Bambus deshalb vor allem dann, wenn bestehende Anbauflächen verantwortungsvoll genutzt werden und keine wertvollen Naturflächen verdrängt werden.

Bambushalme als nachwachsender pflanzlicher Rohstoff

Bambus ist nicht gleich Bambusprodukt

Für die Umweltbilanz ist entscheidend, wie stark der Bambus anschließend verarbeitet wird.

Unter dem Begriff „Bambusprodukt“ können völlig unterschiedliche Materialien verkauft werden.

Naturbelassener Bambus

Dazu gehören beispielsweise einfache Stäbe, Körbe oder bestimmte Küchenutensilien. Das natürliche Material bleibt weitgehend erhalten und die Verarbeitung kann vergleichsweise überschaubar sein.

Gepresster und verleimter Bambus

Für Bodenbeläge, Arbeitsplatten, Möbel oder Schneidebretter werden Bambusstreifen häufig getrocknet, gepresst und miteinander verleimt.

Hier zählen neben dem Bambus selbst auch Energieverbrauch, Klebstoffe, Beschichtungen und Lebensdauer.

Bambuszellstoff

Der Zellstoff kann unter anderem für Papier oder zur Herstellung regenerierter Textilfasern verwendet werden.

Bambusviskose

Hier wird aus dem Bambus zunächst Zellulose gewonnen und anschließend chemisch eine neue Faser erzeugt. Das fertige Material ist nicht einfach eine direkt aus dem Bambushalm gewonnene Naturfaser.

Bambus-Kunststoff-Verbundstoffe

Manche Produkte bestehen nur zu einem Teil aus pflanzlichen Bambusfasern oder Bambusmehl. Der Rest kann aus Kunststoffharzen bestehen.

Gerade hier zeigt sich besonders deutlich, warum die Aufschrift „mit Bambus“ allein wenig über die tatsächliche Materialzusammensetzung aussagt.

Nicht der Bambushalm entscheidet allein über die Umweltbilanz – sondern was anschließend daraus gemacht wird.


Bambusmöbel, Schneidebretter und Bodenbeläge

Bambus kann sehr feste und langlebige Werkstoffe ergeben. Für Möbel, Schneidebretter, Arbeitsplatten oder Fußböden werden die Halme allerdings meist nicht einfach unverändert verwendet.

Je nach Produkt werden sie:

  • gespalten
  • getrocknet
  • behandelt
  • verleimt
  • unter hohem Druck gepresst
  • beschichtet

Dadurch entstehen sehr unterschiedliche Produkte.

Ein hochwertiger Bambusboden oder ein Möbelstück, das mehrere Jahrzehnte verwendet wird, ist ökologisch anders zu bewerten als ein günstiges Produkt, das nach wenigen Jahren ersetzt werden muss.

Beim Einkauf lohnt sich deshalb ein Blick auf Herstellerinformationen zu Klebstoffen, Beschichtungen und Materialzusammensetzung.


Wie nachhaltig sind Bambustextilien?

Bambuskleidung besitzt ein besonders grünes Image. Shirts, Socken, Unterwäsche und Handtücher werden häufig mit Bambuspflanzen und Begriffen wie „natürlich“ beworben.

Das fertige Textil besteht jedoch meistens nicht aus direkt gewonnenen Bambusfasern.

In vielen Fällen wird die im Bambus enthaltene Zellulose zunächst herausgelöst und anschließend zu Viskose verarbeitet.

Dabei handelt es sich um eine regenerierte Zellulosefaser. Der Bambus liefert den Ausgangsrohstoff, die eigentliche Textilfaser entsteht jedoch in einem industriellen chemischen Verfahren.

Das Umweltbundesamt weist bei der Bewertung von Textilien deshalb darauf hin, dass nicht nur der Ausgangsrohstoff zählt. Auch Faserherstellung, Energieverbrauch, Chemikalien, Färbung, Verarbeitung, Nutzungsdauer und Recycling gehören zur Gesamtbilanz.

Was ist mit Lyocell?

Lyocell ist ebenfalls eine regenerierte Zellulosefaser, wird aber mit einem anderen Herstellungsverfahren produziert. Moderne Anlagen können das eingesetzte Lösungsmittel zu einem sehr großen Teil im Kreislauf führen.

Grundsätzlich kann auch Bambuszellulose dafür verwendet werden.

Aber auch hier gilt: Das Wort „Lyocell“ oder „Bambus“ allein beantwortet noch nicht alle Umweltfragen. Entscheidend bleiben Herkunft des Zellstoffs, Produktionsanlage, Energieversorgung und Chemikalienmanagement.


Bambus oder Baumwolle – was ist nachhaltiger?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht.

Bambus besitzt beim Anbau einige interessante Eigenschaften. Die Pflanzen können viele Jahre auf derselben Fläche wachsen, treiben nach der Ernte wieder aus und erreichen relativ schnell nutzbare Größen.

Baumwolle ist dagegen eine klassische Naturfaser, deren ökologische Auswirkungen stark von Anbaugebiet, Bewässerung und landwirtschaftlicher Bewirtschaftung abhängen.

Bei einem fertigen Kleidungsstück reicht es jedoch nicht aus, nur die beiden Pflanzen auf dem Feld miteinander zu vergleichen.

Bei Bambusviskose kommen zusätzliche industrielle Verarbeitungsschritte hinzu. Bei Baumwolle spielen wiederum Anbau, Färbung und Textilveredelung eine große Rolle.

Ein hochwertiges Kleidungsstück aus Bio-Baumwolle kann deshalb nachhaltiger sein als schlecht produzierte Bambusviskose – und umgekehrt kann eine effizient hergestellte Zellulosefaser Vorteile besitzen.

Die wichtigere Frage lautet deshalb:

Wie wurden Rohstoff, Faser und fertiges Kleidungsstück produziert – und wie lange wird es getragen?


Bambus oder Holz – was ist besser?

Auch hier gibt es keinen pauschalen Sieger.

Bambus punktet durch sein schnelles Wachstum und die regelmäßige Ernte aus bestehenden Beständen. Holz aus regionaler und verantwortungsvoller Forstwirtschaft besitzt dagegen andere Vorteile.

  • kurze Lieferketten können möglich sein
  • manche Produkte benötigen wenig Verarbeitung
  • Holz lässt sich häufig gut reparieren
  • es bestehen etablierte Weiterverwendungs- und Entsorgungswege

Für ein langlebiges Möbelstück kann heimisches Holz daher eine sehr nachhaltige Wahl sein.

Bambus sollte weniger als grundsätzlicher Ersatz für Holz verstanden werden, sondern als zusätzlicher nachwachsender Werkstoff.


Kann Bambus Plastik ersetzen?

Bei manchen Produkten kann Bambus tatsächlich eine Alternative zu fossilem Kunststoff sein. Besonders interessant sind Anwendungen, bei denen das Material weitgehend naturbelassen bleibt und das Produkt lange genutzt werden kann.

Beispiele können bestimmte:

  • Küchenutensilien
  • Körbe
  • Möbel
  • Stäbe
  • Aufbewahrungslösungen

sein.

Aber auch hier sollte nicht einfach nach dem Prinzip „Plastik raus, Bambus rein“ gehandelt werden.

Eine vorhandene Kunststoffbox, die seit Jahren benutzt wird und noch lange funktioniert, wegzuwerfen und durch eine neue Bambusbox zu ersetzen, spart nicht automatisch Ressourcen.

Das nachhaltigste Produkt ist häufig das, das bereits vorhanden ist und möglichst lange genutzt wird.

Diese Regel gilt unabhängig davon, ob ein Produkt aus Kunststoff, Holz, Metall oder Bambus besteht.

Auch Bambus-Einweg bleibt Einweg

Ein Einwegbesteck oder Einwegteller aus einem nachwachsenden Rohstoff kann in bestimmten Fällen Vorteile gegenüber fossilem Kunststoff besitzen.

Trotzdem wird dafür ein Produkt hergestellt, verarbeitet, transportiert und anschließend nach sehr kurzer Nutzung entsorgt.

Eine langlebige Mehrweglösung ist deshalb meist die bessere Richtung.


Vorsicht bei Bambus-Kunststoff-Geschirr

Bei sogenannten Bambusbechern, Bambustellern und ähnlichen Produkten lohnt sich ein besonders genauer Blick.

Viele früher als „Bambusgeschirr“ beworbene Produkte bestanden nicht hauptsächlich aus massivem Bambus, sondern aus Kunststoffen wie Melaminharz, denen Bambusmehl oder Pflanzenfasern beigemischt wurden.

Die Verbraucherzentrale warnt ausdrücklich vor solchen Kunststoffprodukten mit Bambusbeimischung. Untersuchungen zeigten, dass unter anderem Melamin und Formaldehyd an Lebensmittel abgegeben werden können.

Wichtig:

Kunststoffgeschirr mit nicht zugelassenen Beimischungen wie Bambusmehl darf für Lebensmittelkontakt nicht verkauft werden. Produkte aus tatsächlich reinem Bambus – beispielsweise bestimmte Schneidebretter oder naturbelassene Bambusgegenstände – sind davon zu unterscheiden.

Wer noch ältere Coffee-to-go-Becher oder Geschirr aus einem Bambus-Kunststoff-Gemisch besitzt, sollte die Materialzusammensetzung deshalb prüfen.

Eine grün gefärbte Oberfläche und ein Bambusblatt auf der Verpackung machen einen Kunststoffverbundstoff noch nicht zu einem natürlichen Bambusprodukt.

Und Bambuszahnbürsten?

Auch Bambuszahnbürsten sind ein gutes Beispiel dafür, genauer hinzusehen. Der Griff kann tatsächlich aus Bambus bestehen, die Borsten bestehen jedoch häufig weiterhin aus Kunststoff wie Nylon.

Die gesamte Zahnbürste ist deshalb nicht automatisch plastikfrei oder vollständig kompostierbar.


Greenwashing mit Bambus

Bambus vermittelt sofort eine bestimmte Bildsprache: grün, natürlich, nachwachsend und vermeintlich plastikfrei.

Das macht den Rohstoff für Marketing besonders attraktiv.

Ein Produkt kann jedoch als „mit Bambus“ oder „aus Bambus“ beworben werden und technisch völlig unterschiedlich aufgebaut sein.

Dahinter kann stecken:

  • massiver Bambus
  • verleimte Bambusstreifen
  • Bambusfurnier
  • Bambuszellstoff
  • Viskose aus Bambuszellulose
  • Kunststoff mit Bambusfasern oder Bambusmehl

Diese Materialien unterscheiden sich bei Herstellung, Recyclingfähigkeit und Umweltwirkung erheblich.

Begriffe wie „eco“, „natural“, „green“ oder eine Verpackung voller Bambusblätter sind deshalb keine belastbaren Umweltinformationen.

Wichtiger ist die vollständige Materialangabe.


Welche Siegel helfen beim Einkauf?

Bei Bambusprodukten kann beispielsweise eine FSC-Zertifizierung Orientierung zur verantwortungsvollen Herkunft bieten.

FSC-Zertifizierungen sind nicht nur für Holz möglich. Auch Bambus kann innerhalb des Systems zertifiziert werden.

Ein solches Zertifikat beantwortet aber nicht jede Umweltfrage.

Es sagt beispielsweise nicht automatisch, dass:

  • das fertige Produkt besonders klimafreundlich ist
  • keine Klebstoffe verwendet wurden
  • die Textilverarbeitung emissionsarm war
  • das Produkt besonders langlebig ist

Ein Siegel kann deshalb bei der Rohstoffherkunft helfen, ersetzt aber nicht den Blick auf Verarbeitung, Materialzusammensetzung und Qualität.


Welche Bambusprodukte sind sinnvoll?

Eine grobe Orientierung hilft dabei, die sehr unterschiedlichen Produkte besser einzuordnen:

ProduktEinordnung
Naturbelassener BambuskorbKann eine gute langlebige Lösung sein, wenn Herkunft und Verarbeitung stimmen.
BambusmöbelInteressant bei guter Qualität und langer Nutzungsdauer; Klebstoffe und Verarbeitung beachten.
BambusschneidebrettKann sinnvoll sein; meist aus verleimten Bambusstreifen hergestellt.
BambusbodenKann langlebig sein, Umweltbilanz hängt aber stark von Herstellung, Klebstoffen und Beschichtung ab.
Bambusviskose-ShirtNicht automatisch nachhaltig; chemische Faserproduktion berücksichtigen.
Lyocell aus BambuszelluloseKann interessant sein, Produktionsverfahren und Zellstoffherkunft bleiben entscheidend.
Kunststoffbecher mit BambusmehlKeine natürliche Bambuslösung; entsprechende Lebensmittelkontaktprodukte sind problematisch und nicht zulässig.
Bambus-EinwegproduktNachwachsender Rohstoff ändert nichts daran, dass es sich um ein kurzlebiges Einwegprodukt handelt.

Darauf solltest du bei Bambusprodukten achten

1. Brauche ich überhaupt ein neues Produkt?

Vorhandene Gegenstände möglichst lange weiterzuverwenden spart häufig mehr Ressourcen als der Austausch durch eine vermeintlich nachhaltigere Alternative.

2. Woraus besteht das Produkt wirklich?

Massivbambus, Viskose und Bambus-Kunststoff-Verbundstoff sind völlig unterschiedliche Materialien.

3. Woher stammt der Bambus?

Transparente Angaben zur Herkunft sind aussagekräftiger als grüne Werbebotschaften.

4. Gibt es eine glaubwürdige Zertifizierung?

FSC kann beispielsweise bei der Bewertung der Rohstoffherkunft helfen.

5. Wie stark wurde das Material verarbeitet?

Pressen, Verleimen, chemischer Aufschluss und Beschichtungen verändern die Umweltbilanz.

6. Ist das Produkt langlebig?

Qualität und Nutzungsdauer sind meist wichtiger als ein besonders grünes Materialversprechen.

7. Kann es repariert oder weiterverwendet werden?

Produkte, die lange genutzt und gegebenenfalls repariert werden können, sparen langfristig Ressourcen.

8. Was passiert am Ende der Nutzung?

Reiner Bambus, verleimte Platten und Kunststoffverbundstoffe besitzen sehr unterschiedliche Entsorgungs- und Recyclingmöglichkeiten.


Ein nachhaltiger Rohstoff braucht ein nachhaltiges Produkt

Bambus besitzt echtes Potenzial. Er wächst schnell, regeneriert sich über sein Rhizomsystem und kann bei verantwortungsvoller Bewirtschaftung regelmäßig geerntet werden. Auch beim Erosionsschutz und bei der Wiederherstellung degradierter Flächen kann Bambus eine interessante Rolle spielen.

Zum ökologischen Wunderrohstoff wird er dadurch trotzdem nicht.

Plantagenwirtschaft, intensive Düngung, der Verlust natürlicher Lebensräume, energieintensive Verarbeitung, Klebstoffe, chemische Faserherstellung, Verbundkunststoffe und kurzlebige Produkte können die Vorteile des schnell nachwachsenden Rohstoffs deutlich reduzieren.

Deshalb lautet die entscheidende Frage nicht:

Ist Bambus nachhaltig?

Sondern:

Wie wurde dieser Bambus angebaut, verarbeitet und wie lange wird das fertige Produkt genutzt?

Ein naturbelassener langlebiger Bambuskorb, ein verleimter Bodenbelag, ein Shirt aus Bambusviskose und ein Kunststoffbecher mit Bambuspulver können völlig unterschiedliche Umweltbilanzen besitzen.

Nachhaltigkeit steckt deshalb nicht allein im Rohstoff. Sie entsteht vor allem daraus, wie ein Produkt hergestellt, genutzt und am Ende seines Lebens weiterverwendet oder entsorgt wird.


Nachhaltig4future
Letzte Artikel von Nachhaltig4future (Alle anzeigen)
Teile diesen Beitrag

Schreibe einen Kommentar