Windräder auf Feldern, Solaranlagen auf Dächern, Batteriespeicher, Wärmepumpen und immer mehr Elektroautos: Die Energiewende ist längst Teil unseres Alltags. Deutschland erzeugt inzwischen mehr als die Hälfte seines Stroms aus erneuerbaren Energien. Doch damit beginnt eigentlich erst die schwierigere Phase des Umbaus. Stromnetze, Speicher, Wärmeversorgung, Verkehr, Industrie und unser Energieverbrauch müssen zunehmend als ein gemeinsames System funktionieren. Die Energiewende entscheidet deshalb nicht nur darüber, woher unser Strom kommt, sondern auch darüber, wie wir künftig heizen, uns fortbewegen, produzieren und mit Energie umgehen.
Themenüberblick:
- Was bedeutet Energiewende?
- Wo steht Deutschland 2026?
- Was wurde bereits erreicht?
- Warum Strom allein nicht reicht
- Die Wärmewende
- Die Verkehrswende
- Wind und Sonne brauchen ein flexibles Energiesystem
- Warum Stromspeicher immer wichtiger werden
- Das Stromnetz als Rückgrat der Energiewende
- Wie bleibt die Stromversorgung sicher?
- Energieeffizienz: die unterschätzte Hälfte der Energiewende
- Welche Rolle spielt Wasserstoff?
- Kohle, Erdgas und Kernenergie
- Was kostet die Energiewende?
- Energiewende muss sozial funktionieren
- Die Energiewende im eigenen Alltag
- Welche Rolle spielen Zukunftstechnologien?
- Wie könnte unser Energiesystem 2045 aussehen?
Was bedeutet Energiewende?
Unter Energiewende versteht man den langfristigen Umbau unseres Energiesystems von fossilen Energieträgern hin zu einer weitgehend treibhausgasneutralen Versorgung auf Basis erneuerbarer Energien.
Historisch gehört in Deutschland auch der Ausstieg aus der Kernenergie dazu. Die letzten deutschen Kernkraftwerke stellten im April 2023 ihren Leistungsbetrieb ein. Die zentrale Aufgabe der kommenden Jahre liegt nun vor allem darin, Kohle, Erdöl und Erdgas schrittweise durch erneuerbare Energie, Elektrifizierung und effizientere Technologien zu ersetzen.
Dabei geht es nicht nur um Strom. Die Energiewende umfasst mindestens vier große Bereiche:
- Strom: Windenergie, Photovoltaik und weitere erneuerbare Quellen
- Wärme: Wärmepumpen, Wärmenetze, Geothermie, Solarthermie und weniger Energiebedarf
- Verkehr: Elektromobilität, öffentlicher Verkehr, Bahn, Fahrrad und effizientere Mobilität
- Industrie: Elektrifizierung, Effizienz und grüner Wasserstoff für schwer elektrifizierbare Prozesse
Deutschland hat sich gesetzlich das Ziel gesetzt, seine Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 bis 2030 um mindestens 65 Prozent und bis 2040 um mindestens 88 Prozent zu reduzieren. Bis 2045 soll Netto-Treibhausgasneutralität erreicht werden.

Wo steht Deutschland 2026?
Beim Blick auf die Energiewende begegnen uns häufig unterschiedliche Prozentzahlen. Das liegt daran, dass Stromerzeugung, Stromverbrauch und der gesamte Energieverbrauch verschiedene Größen sind.
Energiewende in Zahlen:
- 55,1 % erneuerbare Energien am deutschen Bruttostromverbrauch 2025
- 23,8 % erneuerbare Energien am gesamten Bruttoendenergieverbrauch 2025
- 19,0 % erneuerbare Energien im Wärmebereich 2025
- 8,0 % erneuerbare Energien im Verkehr 2025
- rund 57 % erneuerbare Energien am Bruttostromverbrauch im ersten Halbjahr 2026
- mindestens 80 % erneuerbarer Strom sind für 2030 gesetzlich vorgesehen
Die Unterschiede zeigen sofort, wo Deutschland heute steht: Die Stromwende ist weit fortgeschritten, die vollständige Energiewende noch nicht.
Warum liest man für 2026 auch 61,8 Prozent?
Fraunhofer ISE berechnete für das erste Halbjahr 2026 einen erneuerbaren Anteil von 61,8 Prozent an der öffentlichen Nettostromerzeugung. Das Umweltbundesamt nennt gleichzeitig rund 57 Prozent Anteil am Bruttostromverbrauch.
Das ist kein Widerspruch. Es handelt sich um unterschiedliche statistische Größen. Die öffentliche Nettostromerzeugung betrachtet den Strommix, der von Kraftwerken ins öffentliche Netz eingespeist wird. Der Bruttostromverbrauch wird nach einer anderen Methodik berechnet und ist auch die Größe, auf die sich das gesetzliche 80-Prozent-Ziel für 2030 bezieht.
Wer Energiewendezahlen vergleicht, sollte deshalb immer prüfen, was genau gemessen wurde.
Was Deutschland bereits erreicht hat
Vor gut zwei Jahrzehnten spielten erneuerbare Energien im deutschen Stromsystem noch eine Nebenrolle. Heute gehören sie zu seinen tragenden Säulen.
Photovoltaik wächst besonders schnell
2025 kamen in Deutschland rund 16 Gigawatt neue Solarleistung hinzu. Ende des Jahres waren damit ungefähr 117 Gigawatt Photovoltaikleistung installiert.
Im ersten Halbjahr 2026 wurden weitere rund acht Gigawatt Bruttoleistung installiert. Photovoltaik wächst inzwischen auf Einfamilienhäusern, Mehrfamilienhäusern, Gewerbedächern, Freiflächen, Parkplätzen und Balkonen.
Das gesetzliche Ausbauziel liegt bei 215 Gigawatt Photovoltaik im Jahr 2030. Der Ausbau muss deshalb auch in den kommenden Jahren auf hohem Niveau weitergehen.
Windenergie bleibt unverzichtbar
Windkraft bleibt eine der wichtigsten erneuerbaren Stromquellen Deutschlands. Besonders wertvoll ist sie im Zusammenspiel mit Photovoltaik: Während Solaranlagen im Sommer und tagsüber besonders viel erzeugen, liefert Windkraft häufig auch nachts und in den Wintermonaten große Strommengen.
Der Windenergieausbau an Land zog 2025 wieder deutlich an. Im ersten Halbjahr 2026 waren etwa 70 Gigawatt Windleistung an Land installiert. Beim gesetzlichen Ausbaupfad besteht jedoch weiterhin Nachholbedarf.
Netzgenehmigungen kommen schneller voran
Auch beim lange schleppenden Ausbau der großen Stromleitungen gab es zuletzt deutliche Fortschritte. 2025 genehmigte die Bundesnetzagentur rund 2.000 Kilometer Stromleitungen. Die Genehmigungsverfahren für die wichtigen Nord-Süd-Verbindungen A-Nord, Ultranet, SuedLink und SuedOstLink wurden abgeschlossen.
Genehmigt bedeutet allerdings noch nicht fertig gebaut. Der tatsächliche Ausbau bleibt deshalb eine der großen Aufgaben der kommenden Jahre.
Warum Strom allein nicht reicht
Die Erfolgsmeldungen beim erneuerbaren Strom können leicht darüber hinwegtäuschen, dass Elektrizität nur einen Teil unseres Energieverbrauchs ausmacht.
2025 wurden insgesamt erst 23,8 Prozent des deutschen Bruttoendenergieverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt. Bis 2030 soll dieser Anteil auf rund 41 Prozent steigen.
Besonders groß ist der Nachholbedarf bei Wärme und Verkehr. Gleichzeitig müssen Teile der Industrie von Kohle, Erdgas und Erdöl auf Strom, Wasserstoff oder andere klimaneutrale Verfahren umgestellt werden.
Die nächste Phase der Energiewende besteht deshalb weniger darin, ausschließlich immer mehr Solarmodule und Windräder aufzustellen. Es geht darum, das gesamte Energiesystem umzubauen.
Die Wärmewende
Heizen und Warmwasser machen einen erheblichen Teil unseres Energiebedarfs aus. Trotzdem kamen 2025 erst rund 19 Prozent der Wärme aus erneuerbaren Quellen.
Ein großer Teil der erneuerbaren Wärme stammt bislang aus Biomasse. Gleichzeitig wächst insbesondere die Nutzung von Umweltwärme durch Wärmepumpen.
Im ersten Halbjahr 2026 stieg die mit Wärmepumpen nutzbar gemachte Umweltwärme und oberflächennahe Geothermie gegenüber dem Vorjahreszeitraum um mehr als 19 Prozent.
Für eine erfolgreiche Wärmewende braucht es mehrere Lösungen gleichzeitig:
- Wärmepumpen
- effiziente Gebäude
- energetische Sanierungen
- Wärmenetze
- Geothermie
- Solarthermie
- Abwärmenutzung
- nachhaltig eingesetzte Biomasse dort, wo sie sinnvoll ist
Besonders wichtig bleibt die Energieeffizienz. Ein schlecht gedämmtes Gebäude benötigt unabhängig von der Heiztechnik wesentlich mehr Energie als ein effizienteres Haus.
Die Verkehrswende
Im Verkehrsbereich geht die Transformation bislang deutlich langsamer voran. 2025 lag der Anteil erneuerbarer Energien am Energieverbrauch des Verkehrs bei nur rund 8 Prozent.
Im ersten Halbjahr 2026 nahm der Einsatz erneuerbarer Energie im Verkehr gegenüber dem Vorjahreszeitraum zwar deutlich zu. Dazu trugen sowohl Biokraftstoffe als auch der wachsende Bestand an Elektrofahrzeugen bei.
Elektroautos können den Energieverbrauch des Straßenverkehrs deutlich effizienter machen als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Eine nachhaltige Verkehrswende besteht trotzdem aus mehr als einem Wechsel des Antriebs.
Dazu gehören ebenso:
- zuverlässiger öffentlicher Nahverkehr
- mehr Bahnverkehr
- sichere Radwege
- fußläufige Städte und Gemeinden
- kürzere Wege
- weniger unnötiger Verkehr
Denn auch bei Mobilität gilt: Je weniger Energie für denselben Nutzen benötigt wird, desto leichter lässt sich diese Energie klimaneutral bereitstellen.
Wind und Sonne brauchen ein flexibles Energiesystem
Wind- und Solarenergie liefern nicht zu jeder Stunde dieselbe Leistung. Photovoltaikanlagen produzieren nachts keinen Strom und im Winter weniger als an langen Sommertagen. Windkraft hängt von der jeweiligen Wetterlage ab.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Energiesystem mit hohen Anteilen erneuerbarer Energien grundsätzlich unzuverlässig wäre.
Entscheidend ist, möglichst viele Bausteine miteinander zu verbinden:
- Windenergie
- Photovoltaik
- Stromspeicher
- Wasserkraft und nachhaltige Biomasse
- flexible Verbraucher
- europäischer Stromhandel
- leistungsfähige Stromnetze
- steuerbare Kraftwerksleistung für Zeiten mit geringer Wind- und Solarproduktion
Wind und Sonne ergänzen sich außerdem teilweise. Sehr sonnige Wetterlagen sind nicht automatisch besonders windreich – und im Winter liefert Windenergie häufig dann viel Strom, wenn Photovoltaik schwächer ist.
Je größer der Anteil wetterabhängiger Stromerzeugung wird, desto wichtiger werden jedoch Speicher und ein flexibler Verbrauch.
Warum Stromspeicher immer wichtiger werden
Batteriespeicher gehören derzeit zu den am schnellsten wachsenden Bereichen der Energiewende.
Ende 2025 waren in Deutschland insgesamt knapp 25 Gigawattstunden Batteriespeicherkapazität installiert. Der größte Teil entfiel mit knapp 20 Gigawattstunden auf Heimspeicher. Großbatterien kamen auf rund 3,7 Gigawattstunden.
Bereits im ersten Halbjahr 2026 stieg die gesamte Speicherkapazität weiter von etwa 25,4 auf 29,6 Gigawattstunden. Besonders große Batteriespeicher werden zunehmend interessant, weil sie überschüssigen Strom innerhalb eines Tages aufnehmen und beispielsweise in den Abendstunden wieder abgeben können.
Fraunhofer ISE kommt in verschiedenen Energiesystemszenarien für 2030 auf einen Bedarf von ungefähr 100 bis 170 Gigawattstunden Batteriespeicherkapazität.
Batterien sind trotzdem nur ein Teil der Lösung. Auch Pumpspeicherkraftwerke, Wärmespeicher, flexible Industrieprozesse, Elektroautos und langfristig Wasserstoff können unterschiedliche Speicher- und Flexibilitätsaufgaben übernehmen.
Warum entstehen immer häufiger negative Strompreise?
Wenn an sonnigen oder windreichen Tagen sehr viel Strom gleichzeitig erzeugt wird und die Nachfrage niedrig ist, können die Preise an der Strombörse zeitweise auf null oder sogar darunter fallen.
Das ist kein Zeichen dafür, dass Solar- oder Windenergie grundsätzlich „zu viel“ wäre. Es zeigt vielmehr, dass Speicher, Netze und flexible Verbraucher noch nicht schnell genug mit der Erzeugung wachsen.
Ein Batteriespeicher könnte solchen Strom aufnehmen. Eine Wärmepumpe könnte Wärme erzeugen, ein Elektroauto laden oder ein Industriebetrieb seinen Verbrauch zeitlich verschieben.
Das Stromnetz als Rückgrat der Energiewende
Erneuerbarer Strom hilft wenig, wenn er nicht dorthin transportiert werden kann, wo er benötigt wird.
Große Mengen Windstrom entstehen im Norden und auf See, während wichtige industrielle Verbrauchszentren auch im Westen und Süden Deutschlands liegen. Gleichzeitig speisen Millionen Photovoltaikanlagen dezentral in die regionalen Verteilernetze ein.
Das Stromnetz muss deshalb zwei Entwicklungen gleichzeitig bewältigen:
- große Strommengen über weite Strecken transportieren
- Millionen kleinere Erzeuger, Speicher und flexible Verbraucher koordinieren
2025 wurden bei den großen Übertragungsleitungen deutliche Fortschritte bei den Genehmigungen erreicht. Bis die Leitungen tatsächlich vollständig gebaut sind, bleiben Netzengpässe jedoch Realität.
Wenn Leitungen überlastet wären, müssen Netzbetreiber Kraftwerke hoch- oder herunterregeln. Dieses sogenannte Netzengpassmanagement verursachte 2025 einschließlich der Reservekraftwerke Kosten in Milliardenhöhe.
Netzausbau ist deshalb nicht nur eine technische Voraussetzung der Energiewende. Verzögerungen verursachen ebenfalls Kosten.
Wie bleibt die Stromversorgung sicher?
Stromerzeugung und Stromverbrauch müssen jederzeit im Gleichgewicht bleiben. Das gilt unabhängig davon, ob der Strom aus Kohle, Gas, Wind oder Sonne stammt.
In einem Energiesystem mit großen Anteilen erneuerbarer Energien müssen deshalb auch längere Phasen mit wenig Sonne und Wind berücksichtigt werden.
Dafür braucht es eine Kombination aus:
- Speichern
- europäischem Stromhandel
- flexibler Nachfrage
- Netzausbau
- steuerbarer Leistung, die bei Bedarf verfügbar ist
Solange wichtige Stromleitungen fehlen, werden zusätzlich Reservekraftwerke benötigt, um regionale Netzengpässe auszugleichen.
Die Herausforderung lautet deshalb nicht einfach „Wind und Sonne oder sichere Stromversorgung“. Die eigentliche Aufgabe besteht darin, ein System zu schaffen, in dem wetterabhängige Erzeugung, Netze, Speicher, flexible Verbraucher und steuerbare Reserven zuverlässig zusammenspielen.
Energieeffizienz: die unterschätzte Hälfte der Energiewende
Eine Kilowattstunde, die gar nicht erst benötigt wird, muss weder erzeugt noch gespeichert noch durch ein Stromnetz transportiert werden.
Energieeffizienz gehört deshalb zu den wichtigsten Teilen der Energiewende.
Beispiele gibt es in fast allen Bereichen:
- gedämmte Gebäude benötigen weniger Heizenergie
- Wärmepumpen können aus einer Kilowattstunde Strom mehrere Kilowattstunden Wärme bereitstellen
- Elektromotoren sind wesentlich effizienter als Verbrennungsmotoren
- moderne industrielle Anlagen können Energie und Abwärme besser nutzen
- LEDs benötigen deutlich weniger Strom als alte Glühlampen
Das Ziel der Energiewende sollte deshalb nicht darin bestehen, unseren heutigen fossilen Energieverbrauch einfach eins zu eins durch Wind- und Solarenergie zu ersetzen.
Je weniger Energie wir für dieselbe Lebensqualität und Wirtschaftsleistung benötigen, desto einfacher wird die Umstellung auf erneuerbare Energien.
Welche Rolle spielt Wasserstoff?
Grüner Wasserstoff wird mithilfe von erneuerbarem Strom durch Elektrolyse hergestellt. Er könnte insbesondere dort wichtig werden, wo direkte Elektrifizierung technisch schwierig ist.
Dazu gehören beispielsweise bestimmte Prozesse in:
- Stahlindustrie
- Chemieindustrie
- Hochtemperaturprozessen
- bestimmten Bereichen des Verkehrs
- langfristiger Energiespeicherung
Wasserstoff ist allerdings kein besonders effizienter Ersatz für Strom in jeder Anwendung.
Wird erneuerbarer Strom zunächst in Wasserstoff umgewandelt, anschließend gespeichert, transportiert und später wieder genutzt, entstehen bei jedem Schritt Verluste.
Wo Strom direkt genutzt werden kann – beispielsweise in einem Elektromotor oder einer Wärmepumpe – ist direkte Elektrifizierung deshalb meistens effizienter.
Für die Energiewende gilt bei Wasserstoff daher eher:
Wasserstoff dort einsetzen, wo wir ihn wirklich brauchen – nicht überall dort, wo Strom direkt funktionieren kann.
Kohle, Erdgas und Kernenergie
Die deutsche Energiewende umfasst historisch sowohl den Ausstieg aus der Kernenergie als auch den langfristigen Ersatz fossiler Energieträger.
Kernenergie
Die letzten drei deutschen Kernkraftwerke wurden am 15. April 2023 abgeschaltet. Der Atomausstieg ist damit als Teil der deutschen Energiewende abgeschlossen.
Kohle
Der gesetzliche Kohleausstieg soll deutschlandweit spätestens 2038 abgeschlossen sein. Im Rheinischen Revier ist das Ende der Braunkohleverstromung bereits für 2030 vorgesehen.
Erdgas
Erdgas wird voraussichtlich noch eine Übergangsrolle spielen, insbesondere für steuerbare Kraftwerksleistung. Langfristig ist fossiles Erdgas allerdings ebenfalls nicht mit einem klimaneutralen Energiesystem vereinbar.
Wie schnell fossile Kraftwerke ersetzt werden können, hängt deshalb auch davon ab, wie schnell erneuerbare Energien, Stromnetze, Speicher und neue steuerbare Kapazitäten verfügbar werden.
Was kostet die Energiewende?
Die Energiewende erfordert enorme Investitionen. Neue Stromleitungen, Windparks, Solaranlagen, Speicher, Wärmenetze, Gebäudesanierungen und industrielle Anlagen müssen geplant und gebaut werden.
Es wäre trotzdem zu kurz gedacht, nur die Kosten der Transformation zu betrachten.
Auch das fossile Energiesystem kostet Geld:
- Erdöl und Erdgas müssen zu großen Teilen importiert werden.
- Fossile Energiepreise können stark schwanken.
- Luftverschmutzung verursacht Gesundheitskosten.
- Treibhausgasemissionen verursachen Folgekosten durch den Klimawandel.
- Verzögerter Netzausbau führt zu zusätzlichen Eingriffen und Kosten im Stromsystem.
Wind- und Solaranlagen besitzen dagegen einen strukturellen Vorteil: Nach ihrer Errichtung benötigen sie keinen Brennstoff, der für jede erzeugte Kilowattstunde neu gekauft und importiert werden muss.
Eine faire Kostenbetrachtung muss deshalb zwei Fragen stellen:
Was kostet die Energiewende?
Und was kostet es langfristig, wenn wir sie nicht schaffen?
Energiewende muss sozial funktionieren
Nicht jeder Mensch besitzt ein Eigenheim, auf dessen Dach eine Solaranlage installiert werden kann. Nicht jeder Haushalt kann eine Wärmepumpe, einen Batteriespeicher oder ein Elektroauto kaufen.
Ein großer Teil der Bevölkerung lebt zur Miete. Gleichzeitig treffen hohe Strom- und Heizkosten Haushalte mit niedrigem Einkommen besonders stark.
Eine sozial ausgewogene Energiewende braucht deshalb auch Lösungen für Menschen ohne eigenes Haus:
- Mieterstrom und gemeinschaftliche Photovoltaik
- Balkonkraftwerke
- bezahlbare Wärmenetze
- öffentliche Ladeinfrastruktur
- attraktiven öffentlichen Verkehr
- zielgerichtete Förderprogramme
- Bürgerenergie und Energiegenossenschaften
Auch Gemeinden können profitieren, wenn sie wirtschaftlich an Wind- und Solarprojekten beteiligt werden. Dadurch wird aus Energieinfrastruktur vor Ort nicht nur eine Belastung, sondern möglicherweise auch eine Einnahmequelle.
Die Energiewende ist damit nicht nur eine technische Aufgabe. Sie ist auch eine Frage von Teilhabe, Verteilung und Akzeptanz.
Die Energiewende im eigenen Alltag
Der größte Teil der Energiewende wird durch Infrastruktur, Unternehmen und politische Rahmenbedingungen entschieden. Trotzdem verändert sich auch der Alltag von Haushalten.
Photovoltaik und Balkonkraftwerke
Wer geeignete Flächen besitzt, kann einen Teil seines Stroms selbst erzeugen. Auch kleinere steckerfertige Solaranlagen haben sich inzwischen stark verbreitet.
Verbrauch an die Stromerzeugung anpassen
In einem stark erneuerbaren Stromsystem wird es immer sinnvoller, Strom dann zu verbrauchen, wenn viel davon verfügbar ist.
Ein Elektroauto könnte beispielsweise mittags bei hoher Solarstromproduktion oder nachts bei starkem Wind laden. Batteriespeicher und Wärmepumpen können ebenfalls flexibel gesteuert werden.
Dynamische Stromtarife machen solche Preissignale zunehmend auch für Privathaushalte sichtbar. Für ihre vollständige Nutzung ist ein intelligentes Messsystem notwendig.
Energie sparen, ohne auf Lebensqualität zu verzichten
Auch kleinere Maßnahmen bleiben sinnvoll: unnötigen Energieverbrauch vermeiden, Geräte lange nutzen, Heizenergie reduzieren und bei Neuanschaffungen auf Effizienz achten.
Die Energiewende im Kleinen ersetzt keine neue Stromleitung oder einen Windpark. Sie kann aber dazu beitragen, Energie effizienter zu nutzen und erneuerbaren Strom besser in den Alltag zu integrieren.
Weitere Beiträge rund um erneuerbare Energien und Energieeffizienz findest du in unserer Kategorie Energie.
Welche Rolle spielen Zukunftstechnologien wie Kernfusion?
Kernfusion gehört zu den spannendsten Forschungsfeldern der Energieversorgung. Dabei sollen leichte Atomkerne verschmelzen und dabei große Energiemengen freisetzen.
Für die Energiewende der kommenden Jahre spielt Fusion allerdings noch keine praktische Rolle. Ein kommerzielles Fusionskraftwerk, das zuverlässig und wirtschaftlich Strom liefert, existiert bislang nicht.
Forschung an neuen Energietechnologien bleibt sinnvoll. Die Klimaziele bis 2030 und 2045 können jedoch nicht darauf warten, dass mögliche Zukunftstechnologien irgendwann marktreif werden.
Die entscheidenden Technologien sind bereits vorhanden: Windenergie, Photovoltaik, Stromnetze, Speicher, Wärmepumpen, Elektromobilität und Energieeffizienz.
Wie könnte unser Energiesystem 2045 aussehen?
Ein klimaneutrales Energiesystem wird wahrscheinlich wesentlich stärker vernetzt und elektrifiziert sein als heute.
Windräder und Photovoltaikanlagen erzeugen einen großen Teil des Stroms. Batteriespeicher verschieben Energie innerhalb des Tages. Stromleitungen verbinden Regionen und europäische Nachbarländer. Wärmepumpen versorgen Gebäude effizient mit Wärme. Elektrofahrzeuge werden möglichst dann geladen, wenn viel erneuerbarer Strom verfügbar ist.
Industrieprozesse werden direkt elektrifiziert oder dort, wo das schwierig ist, teilweise mit grünem Wasserstoff versorgt. Wärmespeicher, Batteriespeicher und steuerbare Anlagen stabilisieren das System.
Digitale Steuerungen koordinieren zunehmend automatisch Erzeugung, Verbrauch und Speicherung.
Damit verändert sich die Grundlogik unseres Energiesystems.
Die Energiewende bedeutet nicht einfach, alte Kraftwerke durch neue Anlagen zu ersetzen. Sie schafft ein anderes Energiesystem.
Die nächste Phase der Energiewende wird schwieriger
Deutschland hat beim erneuerbaren Strom große Fortschritte gemacht. Mehr als die Hälfte des Stromverbrauchs wird inzwischen rechnerisch durch erneuerbare Energien gedeckt, Photovoltaik und Batteriespeicher wachsen schnell und auch der Ausbau der Stromnetze kommt nach langen Verzögerungen stärker voran.
Damit ist die Energiewende aber weder abgeschlossen noch gescheitert.
Ihre schwierigste Phase beginnt dort, wo nicht mehr nur einzelne Kohlekraftwerke durch Wind- und Solaranlagen ersetzt werden. Jetzt müssen Strom, Wärme, Verkehr, Industrie, Netze, Speicher und Verbrauch zunehmend zu einem gemeinsamen klimaneutralen System zusammenwachsen.
Bis 2030 sollen mindestens 80 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energien stammen. Bis 2045 soll Deutschland netto treibhausgasneutral sein. Ob diese Ziele erreicht werden, hängt deshalb nicht von einer einzelnen Technologie ab.
Entscheidend wird das Zusammenspiel sein: mehr erneuerbare Energie, schnellere Netze, ausreichend Speicher, effizientere Gebäude und Maschinen, eine klimafreundlichere Mobilität und ein Energiesystem, das seinen Verbrauch stärker an die verfügbare Energie anpassen kann.
Denn eine nachhaltige Energieversorgung bedeutet am Ende nicht nur, anders Energie zu erzeugen, sondern auch, klüger und effizienter mit ihr umzugehen.
Quellen:
- https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/erneuerbare-energien/erneuerbare-energien-in-zahlen
- https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2026/solarstrom-europaweit-auf-dem-vormarsch.html
- https://www.bundesnetzagentur.de/1087154
- https://www.gesetze-im-internet.de/eeg_2014/__1.html
- https://www.bundesregierung.de/breg-de/schwerpunkte/bezahlbare-und-saubere-energie-1581908
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