Die Natur auf den Winter vorbereiten: Nachhaltige Gartenarbeit im Herbst

Wenn die Blätter fallen und die Tage kürzer werden, beginnt im Garten eine besonders wichtige Zeit des Jahres. Jetzt entscheidet sich, wie gut Pflanzen, Boden und Tiere durch die kalten Monate kommen und wie kräftig der Garten im Frühjahr wieder erwacht. Nachhaltige Gartenarbeit im Herbst bedeutet dabei nicht, alles gründlich aufzuräumen. Oft ist es sogar besser, der Natur etwas mehr Raum zu lassen. Laub, verblühte Pflanzen und Äste können wertvolle Lebensräume schaffen, den Boden schützen und wichtige Nährstoffe im natürlichen Kreislauf halten. Mit wenigen gezielten Maßnahmen lässt sich der Garten so auf den Winter vorbereiten, dass er auch in der kalten Jahreszeit lebendig bleibt.


1. Laub sinnvoll nutzen

Herbstlaub ist kein Abfall, sondern eine wertvolle Ressource für den Garten. Unter Sträuchern, Hecken oder auf Beeten kann eine lockere Laubschicht als natürlicher Mulch liegen bleiben. Sie schützt den Boden vor starken Temperaturschwankungen, reduziert die Verdunstung und bietet zahlreichen Bodenorganismen Nahrung und Schutz.

Während sich das Laub langsam zersetzt, gelangen außerdem Nährstoffe zurück in den Boden.

Auf Rasenflächen sollte eine dicke Laubschicht dagegen nicht dauerhaft liegen bleiben. Bekommt das Gras über längere Zeit kaum Licht und Luft, können kahle Stellen entstehen. Das Laub lässt sich dort einfach zusammenrechen oder mit dem Rasenmäher zerkleinern und anschließend unter Sträuchern, auf Beeten oder auf dem Kompost weiterverwenden.

Tipp: Ein lockerer Laubhaufen in einer ruhigen Ecke des Gartens kann zu einem wertvollen Winterquartier für Igel und andere Kleintiere werden. Am besten bleibt dieser Bereich anschließend möglichst ungestört.


2. Pflanzen zurückschneiden, aber nicht zu radikal

Im Herbst muss längst nicht alles abgeschnitten werden. Verblühte Stauden, Gräser und Samenstände dürfen in vielen Bereichen bis zum Frühjahr stehen bleiben. Sie bieten Insekten geschützte Überwinterungsplätze und liefern Vögeln teilweise noch Nahrung.

Ein radikaler Rückschnitt macht einen Garten zwar aufgeräumter, nimmt vielen Tieren jedoch genau die Strukturen, die sie während der kalten Monate benötigen.

Entfernt werden können vor allem kranke, beschädigte oder störende Pflanzenteile. Gesunde Stauden und Gräser dürfen dagegen ruhig etwas wilder bleiben.

Besondere Vorsicht ist bei mediterranen Pflanzen wie Lavendel geboten. Ein starker Rückschnitt im Herbst kann dazu führen, dass junge Triebe oder Schnittstellen durch Frost geschädigt werden. Größere Rückschnitte sollten deshalb besser zum passenden Zeitpunkt im Frühjahr beziehungsweise nach der Blüte erfolgen.

Gesundes Schnittgut muss übrigens nicht in der Biotonne landen. Zerkleinert kann es auf den Kompost gegeben oder teilweise für Reisighaufen und andere naturnahe Gartenbereiche verwendet werden.


3. Kompost anlegen und Boden stärken

Der Herbst bietet jede Menge organisches Material für den Kompost. Laub, Pflanzenreste sowie Gemüse- und Obstabfälle aus der Küche können sich mit der Zeit in wertvollen Humus verwandeln.

Wichtig ist eine gute Mischung verschiedener Materialien. Feuchte Küchenabfälle lassen sich beispielsweise mit trockenerem Laub, kleinen Zweigen oder gehäckseltem Pflanzenmaterial kombinieren. So gelangt ausreichend Luft in den Kompost und die Verrottung wird unterstützt.

Auch fertiger Kompost kann im Herbst auf Beeten verteilt werden. Statt den Boden anschließend tief umzugraben, reicht es häufig, ihn oberflächlich aufzubringen. Regenwürmer und andere Bodenlebewesen übernehmen einen großen Teil der weiteren Arbeit.

Eine zusätzliche Mulchschicht schützt offene Böden über den Winter. Geeignet sind je nach Beet unter anderem Laub, Stroh, Rasenschnitt oder anderes geeignetes Pflanzenmaterial. Wie dick die Schicht sein sollte, hängt vom verwendeten Material und den Pflanzen ab. Entscheidend ist vor allem, dass der Boden nicht unnötig lange vollständig unbedeckt bleibt.


4. Insektenhotels und Winterquartiere für Tiere schaffen

Ein naturnaher Garten bietet auch im Winter wertvolle Rückzugsorte. Dafür braucht es häufig nicht einmal ein gekauftes Insektenhotel.

Totholz, hohle Pflanzenstängel, Laubhaufen, Reisig, Trockenmauern und dicht gewachsene Hecken bieten zahlreichen Insekten und Kleintieren natürliche Verstecke. Gerade deshalb lohnt es sich, im Herbst nicht jede Ecke vollständig aufzuräumen.

Auch Nistkästen können außerhalb der Brutzeit von Vögeln als geschützter Schlafplatz genutzt werden. Bestehende Kästen lassen sich nach Ende der Brutsaison vorsichtig reinigen, sofern sie nicht mehr bewohnt sind.

Ein Reisig- oder Totholzhaufen in einer ruhigen Gartenecke ist besonders einfach anzulegen. Dort finden je nach Garten unter anderem Insekten, Amphibien und kleine Säugetiere Schutz.

Für Igel gilt vor allem: Wer ihnen helfen möchte, sollte möglichst natürliche Verstecke schaffen und Laub- oder Reisighaufen während des Winters nicht plötzlich umsetzen.


5. Wasserstellen und Frostschutz für Gartenteiche

Auch in der kalten Jahreszeit benötigen Vögel und andere Tiere Wasser. Eine flache Wasserschale an einer geschützten Stelle kann deshalb auch im Herbst und Winter sinnvoll sein.

Wichtig ist, das Wasser regelmäßig zu wechseln und die Schale sauber zu halten. Bei Frost sollte kontrolliert werden, ob das Wasser noch zugänglich ist.

Auch Gartenteiche brauchen vor dem Winter etwas Aufmerksamkeit. Abgestorbene Pflanzenteile und größere Mengen hineingefallenes Laub können vorsichtig entfernt werden, damit sich am Teichgrund nicht zu viel organisches Material zersetzt.

Frostempfindliche Wasserpflanzen müssen je nach Art geschützt oder frostfrei überwintert werden. Winterharte heimische Teichpflanzen können dagegen in der Regel im Teich bleiben.

Bei Teichen mit Fischen sollte außerdem darauf geachtet werden, dass über längere Frostperioden ein ausreichender Gasaustausch möglich bleibt. Dafür gibt es beispielsweise spezielle Eisfreihalter. Eine geschlossene Eisfläche sollte nicht gewaltsam aufgeschlagen werden, da die dabei entstehenden Druckwellen Tiere im Wasser beeinträchtigen können.


6. Wintergemüse pflanzen und Vorräte für Tiere anlegen

Mit dem Herbst endet die Gartensaison nicht automatisch. Je nach Zeitpunkt und Region lassen sich weiterhin verschiedene Gemüsearten anbauen oder für die Winterernte vorbereiten.

Feldsalat, Winterspinat, Knoblauch und einige robuste Salate gehören zu den klassischen Kulturen für die kühlere Jahreszeit. Manche Gemüsearten werden bereits im Spätsommer ausgesät, andere können noch im Herbst gesetzt werden.

Noch nachhaltiger wird der Garten, wenn nicht sämtliche Samenstände und Früchte entfernt werden.

Sonnenblumen, Disteln und andere samenreiche Pflanzen können Vögeln Nahrung bieten. Auch Hagebutten und andere Beeren bleiben bei vielen Sträuchern bis weit in den Winter hinein erhalten und werden von verschiedenen Vogelarten genutzt.

Ein Garten darf im Herbst deshalb ruhig etwas weniger perfekt aussehen. Was für uns nach vertrockneten Pflanzenresten aussieht, kann für Tiere ein wertvoller Vorrat oder ein geschütztes Winterquartier sein.


7. Werkzeug pflegen und lagern

Wenn die größeren Gartenarbeiten abgeschlossen sind, lohnt sich etwas Pflege für Schaufel, Spaten, Gartenschere und Co.

Erde und Pflanzenreste sollten entfernt und Metallteile möglichst trocken eingelagert werden. Bewegliche Teile von Scheren oder anderen Werkzeugen können bei Bedarf gepflegt und geölt werden. Schneidwerkzeuge sollten außerdem sauber und scharf bleiben.

Gartengeräte, Gießkannen und andere empfindliche Utensilien lagern am besten an einem trockenen und frostgeschützten Ort, sofern das Material Frost nicht verträgt.

Gut gepflegte Werkzeuge funktionieren nicht nur besser, sondern halten oft viele Jahre länger. Auch das gehört zu einem nachhaltigen Garten: vorhandene Dinge möglichst lange nutzen, statt sie regelmäßig ersetzen zu müssen.


Nachhaltiger Herbstgarten: Weniger aufräumen, mehr Natur zulassen

Nachhaltige Gartenarbeit im Herbst bedeutet nicht unbedingt mehr Arbeit. Häufig geht es sogar darum, bewusst weniger einzugreifen.

Laub darf unter Sträuchern liegen bleiben, verblühte Stauden müssen nicht sofort abgeschnitten werden und eine etwas wildere Gartenecke kann zum wichtigen Rückzugsort für Tiere werden. Gleichzeitig lassen sich Kompost, Mulch und Pflanzenreste nutzen, um Nährstoffe im natürlichen Kreislauf zu halten.

So entsteht ein Garten, der nicht nur im Sommer schön aussieht, sondern das ganze Jahr über Lebensraum bietet. Und während der Garten im Winter scheinbar ruht, laufen unter Laub, Erde und abgestorbenen Pflanzenstängeln längst die Vorbereitungen für das nächste Frühjahr.


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