Seife selber machen: Seifenreste, Gießseife und Kaltverseifung

Seife selber zu machen kann vom einfachen Upcycling kleiner Seifenreste bis zur klassischen Kaltverseifung mit Natriumhydroxid reichen. Die Methoden unterscheiden sich allerdings deutlich: Während du vorhandene Seife oder eine fertige Gießseifenbasis ohne direkten Kontakt mit ätzender Lauge verarbeiten kannst, ist echtes Seifensieden chemisches Arbeiten und erfordert genaue Berechnungen und konsequente Sicherheitsmaßnahmen. Für den Einstieg zeigen wir deshalb zuerst die einfachen Varianten und erklären anschließend, worauf es bei der Kaltverseifung wirklich ankommt.


Seife selber machen: drei Möglichkeiten

Wenn von „Seife selber machen“ die Rede ist, können damit sehr unterschiedliche Dinge gemeint sein.

MethodeSchwierigkeitDirekter Kontakt mit NaOH
Seifenreste wiederverwendeneinfachnein
Fertige Gießseifenbasiseinfachnein
Kaltverseifunganspruchsvollja

Für Einsteiger ist das Wiederverwenden vorhandener Seife besonders interessant. Dabei brauchst du keine neue Lauge, nutzt bereits vorhandene Ressourcen weiter und kannst kleine Seifenreste vor dem Wegwerfen bewahren.

Eine fertige Gießseifenbasis (häufig als Melt and Pour bezeichnet) ist ebenfalls bereits verseift. Sie kann erwärmt, in Formen gegossen und nach Wunsch gestaltet werden.

Die klassische Kaltverseifung ist dagegen echtes Seifensieden. Dabei reagieren Pflanzenfette mit einer exakt berechneten Menge Natriumhydroxid. Diese Methode erfordert deutlich mehr Wissen und Sicherheitsmaßnahmen.


Was ist Seife eigentlich?

Seife entsteht durch eine chemische Reaktion, die als Verseifung bezeichnet wird: Vereinfacht reagieren dabei Fette beziehungsweise Öle mit einer starken Lauge, bei fester Seife üblicherweise mit Natriumhydroxid.

Fette + Natriumhydroxid → Seife + Glycerin

Das zeigt auch, warum Aussagen wie „Seife ohne Chemie“ wenig sinnvoll sind: Seifenherstellung ist selbst ein chemischer Prozess. Bei einem korrekt berechneten Rezept soll das Natriumhydroxid während der Verseifung reagieren. Das Ausgangsmaterial selbst ist allerdings stark ätzend und darf nicht leichtfertig gehandhabt werden. „Natürlich“ bedeutet deshalb auch bei selbst gemachter Kosmetik nicht automatisch hautfreundlich oder risikofrei.


Ist selbst gemachte Seife nachhaltiger?

Selbermachen kann Vorteile haben, ist aber nicht automatisch nachhaltiger als gekaufte Seife.

Auch Pflanzenöle, Duftstoffe und Wachse müssen angebaut beziehungsweise hergestellt, verarbeitet, verpackt und transportiert werden. Besonders Rohstoffe wie Kokosöl, Kakaobutter oder Sheabutter stammen meist aus weit entfernten Regionen.

Interessant wird DIY vor allem dann, wenn du:

  • vorhandene Seifenreste weiterverwendest
  • mit wenigen Zutaten auskommst
  • unnötige Duft- und Farbstoffe vermeidest
  • wiederverwendbare Formen und Behälter nutzt
  • nur Mengen herstellst, die tatsächlich gebraucht werden

Auch gekaufte feste Seife kann eine gute Wahl sein. Sie kommt häufig mit wenig Verpackung aus und benötigt keinen Kunststoffspender.

Bei gekauften Seifen können Umweltzeichen wie der Blaue Engel oder das EU-Umweltzeichen zusätzliche Orientierung bieten. Was hinter den bekanntesten Siegeln steckt, liest du in unserem Überblick zu Nachhaltigkeitssiegeln.


Die einfachste Variante: Seifenreste wiederverwenden

Kleine Seifenstücke werden irgendwann so dünn, dass sie beim Händewaschen ständig aus der Hand rutschen. Wegwerfen musst du sie deshalb nicht.

Du kannst mehrere Reste sammeln und daraus ein neues Stück formen. Weil die ursprüngliche Seife bereits verseift ist, musst du dabei nicht erneut mit Natriumhydroxid arbeiten.

Für diese Methode eignen sich vor allem Reste ähnlicher fester Seifen. Stark unterschiedliche Produkte können sich beim Erwärmen unterschiedlich verhalten.

Anleitung: Aus Seifenresten neue Seife machen

Du brauchst

  • etwa 150 bis 200 g feste Seifenreste
  • wenig Wasser
  • eine Küchenreibe
  • ein hitzebeständiges Gefäß
  • einen Topf für das Wasserbad
  • eine kleine Silikonform oder andere geeignete Form

Weitere Pflanzenöle oder Duftstoffe brauchst du für die einfache Resteverwertung nicht.

So geht es

  1. Seifenreste raspeln: Zerkleinere die trockenen Seifenstücke möglichst fein.
  2. Wenig Wasser zugeben: Gib zunächst etwa zwei Esslöffel Wasser hinzu. Sehr trockene Seife benötigt eventuell etwas mehr.
  3. Im Wasserbad erwärmen: Erwärme die Mischung langsam und rühre regelmäßig um.
  4. Konsistenz beobachten: Normale Seife wird dabei meist nicht dünnflüssig wie Schokolade. Sie entwickelt eher eine weiche, zähe oder breiige Konsistenz.
  5. In die Form geben: Drücke oder streiche die warme Seifenmasse fest in eine Form.
  6. Abkühlen lassen: Lasse das Stück vollständig auskühlen und forme es anschließend vorsichtig aus.
  7. Trocknen lassen: Je nachdem, wie viel Wasser du verwendet hast, sollte die Seife anschließend noch einige Tage an einem luftigen und trockenen Ort liegen.

Je weniger zusätzliches Wasser nötig ist, desto schneller wird das neue Seifenstück wieder fest.

Für besonders kleine Reste gibt es sogar eine noch einfachere Lösung: In einem Seifensäckchen lassen sie sich gemeinsam bis fast zum letzten Stück aufbrauchen.

Selbst gemachte Seife

Seife aus fertiger Gießseifenbasis

Eine weitere einfache Möglichkeit ist eine fertige Seifenbasis. Sie wurde bereits verseift und muss deshalb nur noch verarbeitet werden.

Solche Basen werden häufig als Gießseife oder Melt-and-Pour-Seife angeboten.

Die grundlegende Verarbeitung ist einfach:

  1. Seifenbasis in kleine Stücke schneiden.
  2. Nach Herstellerangabe vorsichtig erwärmen.
  3. Bei Bedarf sparsam geeignete Zusätze verwenden.
  4. In eine wiederverwendbare Silikonform gießen.
  5. Vollständig abkühlen und fest werden lassen.

Der Vorteil für Einsteiger: Du kannst die Form selbst gestalten, ohne Natriumhydroxid abwiegen oder eine Lauge ansetzen zu müssen.

Allerdings ist auch eine gekaufte Seifenbasis nicht automatisch nachhaltiger. Ein Blick auf Inhaltsstoffe, Verpackung und Herkunft bleibt sinnvoll.


Kaltverseifung: Seifensieden für Fortgeschrittene

Wenn du Seife tatsächlich aus Pflanzenölen herstellen möchtest, arbeitest du meist mit der sogenannten Kaltverseifung. Dabei wird festes Natriumhydroxid (NaOH) zunächst in einer exakt abgewogenen Menge Wasser gelöst. Diese Lauge wird anschließend mit den ebenfalls exakt abgewogenen Fetten beziehungsweise Ölen vermischt, und durch die Verseifungsreaktion entstehen nach und nach Seife und Glycerin.

Wichtig: Pauschale Rezepturen mit einer festen NaOH-Menge sind riskant, weil jedes Fett eine andere Verseifungszahl besitzt. Die benötigte Laugenmenge muss immer exakt zur konkreten Fettmischung berechnet werden. Deshalb geben wir hier bewusst keine universelle Grammangabe für Natriumhydroxid an.

Wenn du kalt verseifen möchtest, nimm ein bewährtes Rezept aus einer fachlich zuverlässigen Quelle und kontrolliere die Laugenmenge zusätzlich mit einem Seifenrechner.


Warum die Laugenmenge exakt berechnet werden muss

Olivenöl benötigt für die Verseifung eine andere Menge Natriumhydroxid als Kokosöl, Sheabutter oder Kakaobutter.

Deshalb darfst du bei einer Kaltverseifungsrezeptur nicht einfach:

  • eine Ölsorte gegen eine andere austauschen
  • Ölmengen verändern
  • die Gesamtmenge vergrößern oder verkleinern, ohne neu zu rechnen
  • Natriumhydroxid nach Gefühl dosieren

Bei handgemachter Seife wird üblicherweise außerdem mit einem gewissen Laugenunterschuss beziehungsweise einer Überfettung gearbeitet. Vereinfacht gesagt wird etwas weniger Natriumhydroxid eingesetzt, als theoretisch für die vollständige Verseifung sämtlicher Fette notwendig wäre.

Auch diese Menge muss berechnet werden.

Beim Seifensieden ist die Waage ein Sicherheitswerkzeug, keine ungefähre Küchenhilfe.


Sicherheit beim Umgang mit Natriumhydroxid

Natriumhydroxid ist stark ätzend. Kontakt mit Haut oder Augen kann schwere Verätzungen verursachen.

Kaltverseifung ist deshalb kein geeignetes DIY-Projekt für Kinder.

Beim Arbeiten mit NaOH gehören mindestens dazu:

  • Schutzbrille
  • geeignete Schutzhandschuhe
  • lange Kleidung und geschlossene Schuhe
  • eine genaue Digitalwaage
  • geeignete hitze- und laugenbeständige Gefäße
  • ein gut belüfteter Arbeitsplatz
  • ein Arbeitsbereich ohne Kinder oder Haustiere
  • sichere Lagerung des Natriumhydroxids außerhalb der Reichweite von Kindern

Bewahre NaOH im beschrifteten Originalbehälter auf, nie in einem Marmeladen- oder Vorratsglas. Und Vorsicht vor Verwechslungen: Natron aus dem Backregal ist kein Natriumhydroxid.

Immer Natriumhydroxid ins Wasser geben

Festes Natriumhydroxid wird langsam in die abgewogene Flüssigkeit gegeben und vorsichtig eingerührt.

Niemals Wasser auf festes Natriumhydroxid gießen.

Beim Lösen entsteht starke Wärme. Das Gefäß und die Flüssigkeit können sehr heiß werden.

Beim Lösen steigen ätzende Dämpfe auf: nicht über das Gefäß beugen, am besten am offenen Fenster arbeiten. Geräte, die mit Lauge in Berührung kommen, sind ab dann nur noch Seifenwerkzeug und kommen nicht zurück in die Küche.

Aluminium eignet sich nicht für den Kontakt mit starker Natronlauge. Verwende nur Materialien, die für diesen Zweck geeignet sind.

Erste Hilfe bei Kontakt mit Lauge oder NaOH

Im Auge (Erblindungsgefahr): Spüle das Auge so schnell wie möglich mindestens 10 Minuten unter fließendem Wasser, mit mildem Strahl und weit gespreizten Lidern. Schütze dabei das unverletzte Auge. Nimm Kontaktlinsen heraus, wenn das leicht geht, und spüle weiter. Danach musst du immer sofort zum Augenarzt oder in eine Klinik, auch wenn es kaum wehtut: Laugenverätzungen schmerzen anfangs oft weniger, als sie schaden. Ruf im Zweifel den Notruf 112. Auf dem Weg weiterspülen, am besten mit isotonischer Kochsalzlösung, sonst mit Wasser.

Auf der Haut: Wische festes NaOH (Plätzchen, Pulver) zuerst trocken mit einem Tuch ab. Zieh benetzte Kleidung sofort aus und schütze dabei deine eigenen Hände. Spüle die Stelle dann mindestens 10 bis 20 Minuten unter fließendem Wasser. Lass die Verletzung anschließend ärztlich behandeln. Bei größeren Flächen sofort den Notruf 112 wählen.

Wer sich mit diesen Sicherheitsregeln nicht sicher fühlt, ist mit Seifenresten oder einer fertigen Gießseifenbasis besser beraten.


Welche Öle eignen sich für selbst gemachte Seife?

Welche Eigenschaften eine Seife besitzt, hängt stark von den verwendeten Fetten ab.

Häufig verwendet werden beispielsweise:

  • Olivenöl: klassischer Rohstoff für eher milde Seifen
  • Kokosöl: sorgt für feste Seife und viel Schaum, kann in hohen Anteilen aber stark reinigend wirken
  • Sheabutter: wird häufig als Bestandteil reichhaltiger Rezepturen eingesetzt
  • Kakaobutter: kann zur Festigkeit des Seifenstücks beitragen

Für die Nachhaltigkeit lohnt es sich, nicht automatisch möglichst viele exotische Fette zu kombinieren.

Eine einfache Rezeptur mit wenigen Rohstoffen kann leichter nachvollziehbar sein und reduziert die Zahl unterschiedlicher Zutaten, die eigens gekauft werden müssen.

Wenn du eine Ölart in einem bestehenden Kaltverseifungsrezept ersetzt, muss anschließend immer die benötigte NaOH-Menge neu berechnet werden.


Duftstoffe und ätherische Öle: weniger ist mehr

Eine selbst gemachte Seife muss nicht duften.

Gerade für Einsteiger ist eine einfache, ungefärbte und unparfümierte Seife oft die sinnvollste Variante.

Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Pflanzenprodukte. Sie können unter anderem Hautreizungen oder allergische Reaktionen verursachen. Einige Zitrusöle können bei Sonneneinstrahlung außerdem fototoxische Reaktionen hervorrufen.

Deshalb sollte ein ätherisches Öl nicht einfach „nach Gefühl“ oder nur nach gewünschter Duftstärke dosiert werden.

Besonders stark wirksame Öle wie Oreganoöl würden wir für ein einfaches Anfängerrezept nicht verwenden.

Auch getrocknete Blüten, Kräuter oder Schalen sind eher Dekoration als notwendiger Bestandteil. Sie können kratzen, sich verfärben oder die Seife ungleichmäßig machen.

Für ein nachhaltiges DIY gilt deshalb auch hier: Nur hinzufügen, was wirklich einen sinnvollen Zweck erfüllt.


Warum kalt gesiedete Seife mehrere Wochen reifen sollte

Frisch kalt gesiedete Seife wird häufig nach ungefähr ein bis zwei Tagen aus der Form genommen und geschnitten. Damit ist sie aber noch nicht fertig.

Anschließend folgt üblicherweise eine mehrwöchige Reifezeit.

Während dieser Zeit:

  • verdunstet Wasser
  • wird das Stück härter
  • nimmt die Ergiebigkeit zu
  • verändert sich die innere Struktur der Seife weiter

Je nach Rezept sind ungefähr vier bis sechs Wochen ein häufiger Richtwert. Manche Seifen profitieren von längerer Lagerung.

Wichtig ist allerdings:

Eine falsch berechnete Laugenmenge wird nicht dadurch sicher, dass die Seife einfach länger liegt.

Die Reifezeit ersetzt niemals eine korrekte Rezeptberechnung.


Selbst gemachte Seife verkaufen?

Für den privaten Eigengebrauch Seife herzustellen ist etwas anderes, als selbst gemachte Stücke regelmäßig zu verkaufen oder anderweitig auf den Markt zu bringen.

Seife zur Reinigung des Körpers gilt rechtlich als kosmetisches Mittel.

Für Kosmetikprodukte gelten in der Europäischen Union umfangreiche Anforderungen. Dazu gehören unter anderem Vorgaben zu:

  • Produktsicherheit
  • Sicherheitsbewertung
  • Inhaltsstoffen
  • Dokumentation
  • Kennzeichnung

Wer selbst gemachte Seife verkaufen möchte, sollte sich deshalb vorab mit der EU-Kosmetikverordnung und den zuständigen Behörden beschäftigen. Ein funktionierendes Hobbyrezept reicht für das Inverkehrbringen eines Kosmetikprodukts nicht aus.


Weniger Zutaten, weniger Abfall

Seife selber zu machen muss nicht bedeuten, eine lange Liste aus exotischen Ölen, Farbstoffen, Blüten und Duftstoffen einzukaufen.

Aus Nachhaltigkeitssicht ist oft das Gegenteil interessanter.

Vorhandene Seifenreste vollständig aufzubrauchen, wenig Verpackung zu verursachen und auf unnötige Zusätze zu verzichten spart Ressourcen, ohne das DIY komplizierter zu machen.

Wer erstmals Seife selber machen möchte, braucht deshalb nicht sofort Natriumhydroxid und eine Sammlung verschiedener Pflanzenöle.

Die einfachste nachhaltige Seife ist manchmal schlicht die, die bereits im Badezimmer liegt und bis zum letzten Rest verwendet wird.


Nachhaltig4future
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