Recyceltes Plastik in Kleidung: Grüne Revolution oder Greenwashing?

Heute wollen wir uns mit einem Thema beschäftigen, das in der Modewelt immer mehr an Bedeutung gewinnt: Kleidung aus recyceltem Plastik. Doch ist das wirklich so nachhaltig, wie es klingt, oder steckt dahinter nur ein weiterer Fall von Greenwashing?

Zunächst einmal ist es wichtig zu verstehen, dass synthetische Fasern wie Polyester, Nylon und Elastan, die häufig in unserer Kleidung verwendet werden, aus Erdöl hergestellt werden. Tatsächlich wird inzwischen mehr Polyester als Baumwolle in Textilien eingesetzt.

Angesichts der Umweltbelastung durch die Plastikproduktion klingt die Idee, recyceltes Plastik in Kleidung zu verwenden, sehr verlockend. Viele Unternehmen werben bereits mit Begriffen wie „recyceltes Polyester“ oder „Meeresplastik“. Aber was bedeutet das eigentlich?

Laut Kai Nebel, Experte für textile Verfahrenstechnik an der Hochschule Reutlingen, hängt die Nachhaltigkeit von recyceltem Plastik in Kleidung von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen ist es wichtig zu wissen, woher das recycelte Material stammt und was daraus gemacht wird. Leider fehlt es bei vielen Produkten, die mit recyceltem Plastik werben, an Transparenz in diesen Bereichen.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Art und Weise, wie das Plastik recycelt wird. Verschiedene Recyclingverfahren haben unterschiedliche Auswirkungen auf die Umwelt. Einige Verfahren sind möglicherweise umweltfreundlicher als andere, aber ohne Transparenz und klare Informationen ist es schwierig, dies zu beurteilen.

Ein kritischer Punkt ist auch die Verwendung von sogenanntem „Meeresplastik“. Laut Kai Nebel ist die Verwendung von Meeresplastik in Kleidung „kompletter Unsinn“ und eine „ökologische Katastrophe“. Der Grund dafür ist, dass das meiste Plastik, das für Kleidung verwendet wird, gar nicht direkt aus dem Meer stammt, sondern in Strandnähe gesammelt wird. Außerdem erfordert das Sammeln, Sortieren und Reinigen von Plastik aus dem Meer viel Energie und Ressourcen, was die ökologischen Vorteile in Frage stellt.

Ein weiteres Problem ist, dass die Verwendung von recyceltem Plastik in Kleidung den bestehenden Recyclingkreislauf für PET-Flaschen stören könnte. In Deutschland und Europa gibt es einen funktionierenden Kreislauf für gebrauchte PET-Flaschen. Wenn diese Flaschen jedoch zu Kleidung verarbeitet werden, werden sie aus diesem Kreislauf herausgenommen, was dazu führen könnte, dass mehr neue Plastikflaschen produziert werden müssen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Verwendung von recyceltem Plastik in Kleidung von verschiedenen Faktoren abhängt und nicht immer so nachhaltig ist, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Es ist wichtig, kritisch zu hinterfragen und Informationen über die tatsächlichen Umweltauswirkungen und den Lebenszyklus der Materialien zu suchen. Nur so können wir fundierte Entscheidungen darüber treffen, ob ein Produkt wirklich nachhaltig ist oder nur ein weiterer Fall von Greenwashing.


Quellen:

Nachhaltig4future
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Von Nachhaltig4future

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