Nachhaltig im Herbst

Im Herbst verändert sich der Alltag fast von selbst. Morgens wird es wieder kühler, abends früher dunkel und in der Küche stehen plötzlich Kürbis, Äpfel und Suppentöpfe im Mittelpunkt. Gleichzeitig beginnt die Heizperiode, im Garten fällt jede Menge Laub an und Regentage verlagern wieder mehr Zeit nach drinnen. Genau deshalb gibt es im Herbst viele Möglichkeiten, Nachhaltigkeit ganz unkompliziert in den Alltag einzubauen, ohne daraus ein neues Optimierungsprojekt machen zu müssen.


1. Saisonal kochen und den Herbst schmecken

Kaum eine Jahreszeit macht saisonales Essen so einfach wie der Herbst. Auf Wochenmärkten, in Hofläden und im Supermarkt tauchen jetzt viele Zutaten auf, die ohnehin perfekt zu kühleren Tagen passen.

Je nach Monat gehören beispielsweise dazu:

  • Äpfel und Birnen
  • Kürbis
  • Kartoffeln
  • Rote Bete
  • Möhren und Pastinaken
  • Lauch
  • Sellerie
  • verschiedene Kohlsorten
  • Feldsalat
  • Nüsse

Daraus entstehen ziemlich automatisch Gerichte, auf die man im Herbst sowieso wieder Lust bekommt: Kürbissuppe, Ofengemüse, Eintöpfe, Kartoffelgerichte, Apfelkuchen oder ein warmer Salat mit Roter Bete.

Saisonal einzukaufen kann regionale Landwirtschaft unterstützen und lange beziehungsweise aufwendige Lieferketten vermeiden. Dabei gilt aber auch: Regional ist nicht automatisch in jeder Situation die perfekte Ökobilanz. Anbau, Lagerung und Transport spielen ebenfalls eine Rolle.

Als einfache Orientierung für den Alltag funktioniert saisonal und möglichst regional trotzdem sehr gut.

Was gerade frisch erhältlich ist, findest du in unseren Saisonkalendern für September, Oktober und November.


2. Ernteüberschüsse haltbar machen statt wegwerfen

Der Herbst ist nicht nur Erntezeit, sondern manchmal auch die Jahreszeit, in der plötzlich sehr viele Äpfel, Birnen oder Kürbisse gleichzeitig da sind.

Wenn mehr Lebensmittel vorhanden sind, als in den nächsten Tagen gegessen werden können, lohnt sich rechtzeitiges Haltbarmachen.

  • Äpfel und Birnen zu Mus oder Kompott verarbeiten
  • Gemüse portionsweise einfrieren
  • Kräuter trocknen
  • Obst dörren
  • Chutneys oder Marmeladen einkochen
  • Suppen und Eintöpfe vorkochen und einfrieren

Das muss nicht in einer riesigen Vorratsaktion enden. Schon eine Portion Kürbissuppe mehr zu kochen und einzufrieren kann verhindern, dass die zweite Hälfte des Kürbisses ein paar Tage später im Biomüll landet.

Auch für Tee lässt sich die Jahreszeit nutzen. In unserem Beitrag Herbstliche Teemischungen selber machen zeigen wir, wie sich unter anderem Äpfel, Hagebutten und Gartenkräuter verwenden lassen.


3. Fallobst und Bioabfälle sinnvoll nutzen

Unter einem Apfel- oder Birnbaum sieht es im Herbst schnell so aus, als hätte jemand eine ganze Obstkiste ausgeschüttet. Nicht jedes heruntergefallene Stück muss deshalb automatisch weg.

Fallobst solltest du zuerst genau ansehen. Kleine Druckstellen sind häufig kein Problem und lassen sich wegschneiden. Solches Obst eignet sich besonders gut für:

  • Apfelmus
  • Kompott
  • Kuchen
  • Chutney
  • Saft

Deutlich verdorbenes oder verschimmeltes Obst gehört dagegen nicht mehr auf den Teller.

Wer einen geeigneten Garten hat, kann viele pflanzliche Reste kompostieren. Ohne eigenen Kompost ist die Biotonne ebenfalls eine sinnvolle Lösung: Bioabfälle können daraus unter anderem zu Kompost oder Biogas verarbeitet werden.

Auch bei Küchenresten lohnt sich ein kurzer Blick, bevor sie entsorgt werden. Geeignete Gemüsereste können beispielsweise noch in Suppen, Brühen oder Restegerichten landen. Nicht jeder Pflanzenrest ist allerdings automatisch essbar, deshalb sollte die Resteverwertung nicht zum Wettbewerb werden.


4. Im Garten weniger aufräumen

Im Herbst entsteht im Garten schnell der Impuls, alles ordentlich zurückzuschneiden, Laub zu entfernen und jedes Beet für den Winter „sauber“ zu machen.

Für die Natur ist etwas weniger Ordnung häufig die bessere Lösung.

Laub kann unter Hecken, Sträuchern und auf geeigneten Beeten liegen bleiben. Dort schützt es den Boden, trägt zur Humusbildung bei und bietet kleinen Tieren Unterschlupf.

Auch verblühte Stauden und Samenstände müssen nicht überall sofort abgeschnitten werden. Sie können Insekten Überwinterungsmöglichkeiten bieten und gleichzeitig Vögeln Nahrung liefern.

Laub ist nicht automatisch Gartenabfall

Natürlich gibt es Stellen, an denen Laub weg sollte. Auf Wegen kann es rutschig werden, und eine sehr dicke Laubschicht auf dem Rasen kann Probleme verursachen.

Statt es komplett zu entsorgen, kannst du es anschließend beispielsweise:

  • unter Sträuchern verteilen
  • zum Mulchen verwenden
  • kompostieren
  • zu einem geschützten Laubhaufen aufschichten

Rechen statt Laubbläser

Für kleinere Privatgärten reicht meistens ein Rechen oder Besen. Das braucht keinen Strom oder Kraftstoff, verursacht kaum Lärm und schont Kleintiere, die zwischen Blättern leben.

Noch ausführlicher findest du das Thema in unserem Beitrag Nachhaltige Gartenarbeit im Herbst: Die Natur auf den Winter vorbereiten.


5. Herbstdeko aus dem nutzen, was da ist

Bunte Blätter, Kastanien, Zweige und Kürbisse machen es im Herbst ziemlich leicht, die Wohnung oder den Eingangsbereich saisonal zu dekorieren.

Nachhaltig wird Naturdeko aber nicht allein dadurch, dass sie nach Natur aussieht.

Bevor du neue Deko kaufst, lohnt sich deshalb ein Blick in Keller, Schrank oder Bastelkiste. Häufig sind bereits vorhanden:

  • alte Kerzenhalter
  • Gläser und Vasen
  • Stoffreste
  • Körbe
  • Holzdekoration
  • Herbstschmuck aus den vergangenen Jahren

Dazu können einige heruntergefallene Blätter, Zweige oder Kastanien kommen. Für schöne Herbstdeko muss jedenfalls nicht jedes Jahr eine neue Kollektion im Einkaufswagen landen.

Auch beim Kürbis lohnt sich die Mehrfachnutzung. Wenn du einen essbaren Kürbis zu Halloween schnitzt, lässt sich das Fruchtfleisch je nach Sorte noch zu Suppe, Püree oder Ofengemüse verarbeiten. Weitere Ideen findest du bei unserem nachhaltigen Halloween.


6. Heizen, ohne unnötig Energie zu verschwenden

Irgendwann kommt im Herbst der Morgen, an dem warme Socken allein nicht mehr reichen und die Heizung wieder läuft.

Energiesparen bedeutet dann nicht, möglichst lange zu frieren oder einzelne Räume komplett auskühlen zu lassen. Zu kalte Räume können zusammen mit hoher Luftfeuchtigkeit sogar das Schimmelrisiko erhöhen.

Viel sinnvoller ist es, Wärme gezielt zu nutzen.

Thermostat bewusst einstellen

In regelmäßig genutzten Wohnräumen sind ungefähr 19 bis 20 °C für viele Menschen ein sinnvoller Ausgangspunkt. Entscheidend sind aber auch das Gebäude, die Luftfeuchtigkeit und das persönliche Wärmeempfinden.

Wenig genutzte Räume können kühler bleiben, sollten aber nicht unnötig stark auskühlen. Türen zwischen unterschiedlich warmen Räumen hältst du besser geschlossen, statt einen kalten Raum über die warme Luft aus dem Nachbarzimmer mitzuheizen.

Stoßlüften statt stundenlang kippen

Mehrmals täglich kurz und kräftig zu lüften ist meist sinnvoller, als Fenster über lange Zeit gekippt zu lassen. Wie lange notwendig ist, hängt von Außentemperatur und Feuchtigkeit ab: Je kälter es draußen ist, desto schneller findet der Luftaustausch statt.

Nach Duschen oder Kochen sollte Feuchtigkeit möglichst zeitnah nach draußen.

Heizkörper frei lassen

Möbel oder lange Vorhänge direkt vor dem Heizkörper behindern die Wärmeabgabe. Deshalb lohnt sich im Herbst ein kurzer Blick darauf, ob die Heizung überhaupt frei arbeiten kann.

Gluckert ein Heizkörper oder wird er trotz geöffnetem Thermostat nicht richtig warm, kann Entlüften sinnvoll sein. Vorsorglich ständig alle Heizkörper zu entlüften ist dagegen nicht nötig.

Sonne tagsüber nutzen

Scheint die Herbstsonne durchs Fenster, darf sie ruhig beim Aufwärmen helfen. Nach Einbruch der Dunkelheit können Rollläden, Fensterläden oder passende Vorhänge Wärmeverluste reduzieren.

Mehr dazu findest du in unserem Beitrag Weniger heizen, besser heizen: Minimalismus im Umgang mit Wärme.


7. Herbstkleidung länger nutzen

Mit den ersten kühlen Tagen beginnt auch die Zeit für Jacken, feste Schuhe, Pullover und Regenkleidung.

Bevor etwas Neues bestellt wird, lohnt sich eine kleine Bestandsaufnahme. Vielleicht braucht die Jacke vom vergangenen Jahr nur eine Wäsche, ein fehlender Knopf muss angenäht oder ein Paar Schuhe gepflegt werden.

Praktische Möglichkeiten sind:

  • Schuhe reinigen und pflegen
  • kleine Löcher nähen
  • Reißverschlüsse reparieren lassen
  • Kleidung tauschen oder Secondhand kaufen
  • zu klein gewordene Sachen weitergeben

Das ist häufig nachhaltiger, als funktionierende Kleidung nur deshalb auszutauschen, weil eine neue Herbstkollektion im Laden hängt.

Und an einem kühlen Abend dürfen Pullover, warme Socken und die Decke auf dem Sofa natürlich ebenfalls ihren Job machen. Niemand muss frieren. Manchmal braucht es aber tatsächlich nicht sofort eine höhere Thermostatstufe.


8. Draußen bleiben, auch wenn es kühler wird

Nach dem Sommer verbringen wir automatisch wieder mehr Zeit drinnen. Dabei ist der Herbst für viele Aktivitäten draußen sogar besonders angenehm.

  • Spaziergänge im Wald
  • Wandern
  • Radtouren
  • Natur fotografieren
  • Kastanien sammeln
  • regionale Ausflüge

Besonders unkompliziert wird ein nachhaltiger Herbst-Ausflug, wenn das Ziel direkt vor der Haustür liegt oder gut mit Fahrrad, Bus oder Bahn erreichbar ist.

Damit muss nicht jedes freie Wochenende mit einer langen Autofahrt verbunden sein. Häufig gibt es in der eigenen Region Wälder, Aussichtspunkte, Seen oder Wege, an denen man jahrelang vorbeigefahren ist, ohne sie wirklich zu kennen.

Draußen gilt selbstverständlich auch im Herbst: Müll wieder mitnehmen, Wege und Schutzgebiete respektieren und Pflanzen oder Tiere nicht unnötig stören.


9. Regentage für Reparatur und Ausmisten nutzen

Wenn das Wetter schlechter wird und du wieder mehr Zeit zu Hause verbringst, bleiben endlich ein paar Stunden für Dinge, die schon länger warten.

Das können ganz unspektakuläre Aufgaben sein:

  • eine kaputte Hose flicken
  • Fahrradlicht kontrollieren
  • Schuhe reparieren oder pflegen
  • Elektrogeräte überprüfen
  • Lebensmittelvorräte sortieren
  • Kleidung aussortieren und weitergeben
  • alte Dinge verkaufen
  • kleine Reparaturen zuhause erledigen

Gerade beim Ausmisten sollte das Ziel aber nicht sein, einfach möglichst viel wegzuwerfen. Oft gibt es bessere Möglichkeiten:

  • weiter benutzen
  • reparieren
  • verschenken
  • verkaufen
  • spenden
  • erst danach korrekt entsorgen

Das schafft Platz, ohne aus dem Aufräumen eine neue Wegwerfaktion zu machen.


10. Beim Umweltschutz vor Ort mitmachen

Nachhaltigkeit muss nicht immer zuhause stattfinden. Gerade im Spätsommer und Herbst gibt es vielerorts Aktionen, bei denen man unkompliziert mitmachen kann.

Zum Beispiel:

  • lokale Müllsammelaktionen
  • Clean-ups an Flüssen und Wegen
  • Pflege von Streuobstwiesen
  • gemeinschaftliche Ernteaktionen
  • Naturschutzprojekte
  • Garten- oder Pflanzentauschaktionen

Im September findet außerdem der World Cleanup Day statt. Aber auch unabhängig von Aktionstagen kann eine kleine Müllsammelrunde beim Spaziergang sinnvoll sein.

Das löst natürlich keine globalen Umweltprobleme. Lokal verhindert es aber, dass Abfälle lange in Landschaft und Gewässern liegen bleiben, und du siehst sofort, was deine Sammelrunde bewirkt.


Nachhaltiger Herbst muss nicht perfekt sein

Der Herbst muss keine neue Challenge werden, bei der plötzlich jedes Essen regional, jede Fahrt autofrei und die Wohnung perfekt energiesparend sein soll.

Viele nachhaltige Entscheidungen passen ohnehin ziemlich gut zur Jahreszeit: Kürbis kochen, Äpfel verwerten, Laub im Garten liegen lassen, einen Pullover länger tragen, Dinge reparieren oder am Wochenende einfach zu Fuß rausgehen.

Vielleicht ist genau das die angenehmste Art, Nachhaltigkeit in den Alltag zu holen. Nicht für jede Jahreszeit neue Produkte und Regeln zu brauchen, sondern genauer hinzuschauen, was gerade verfügbar ist und was wir bereits besitzen.

Ein nachhaltiger Herbst entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch viele kleine Entscheidungen, die sowieso gut in diese Jahreszeit passen.


Nachhaltig4future
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